Pleite am Neuen Markt
Micrologica stellt Insolvenzantrag

Das am Neuen Markt notierte Softwarehaus Micrologica AG, Bargteheide, hat beim Amtsgericht Reinbek den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Gericht bestellte den Hamburger Rechtsanwalt und Steuerberater Berthold Brinckmann zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

beu HB HAMBURG. In einer Pflichtmitteilung teilte das auf die Verknüpfung von Telekommunikation und Datenverarbeitung ausgerichtete Unternehmen mit, seine liquiden Mittel würden voraussichtlich nicht ausreichen, um die künftig fällig werdenden Verbindlichkeiten zu erfüllen.

Der Absturz des ehemaligen Neuen-Markt-Stars kommt nicht unerwartet. Bereits Ende vergangener Woche hatte die Micrologica AG über Liquiditätsprobleme berichtet. Daraufhin war der Kurs um mehr als 50 % eingebrochen. Vor dem Gang zum Amtsgericht und der Aussetzung der Börsennotierung hatte sich der Kurs gestern auf Grund spekulativer Käufe zeitweise um bis zu 50 % erhöht. Der Micrologica-Vorstand führt nach eigenen Angaben Gespräche mit bereits bekannten und neuen Investoren. Das weitere Vorgehen werde jetzt mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt.

Die am Neuen Markt notierten Micrologica-Aktien wurden nach Angaben der Deutschen Börse AG wegen der Ad-hoc-Mitteilung bis Börsenschluss vom Handel ausgesetzt. Vor der Aussetzung kosteten die Papiere 1,25 Euro und verzeichneten damit einen Anstieg von 22,55 %. Micrologica kündigte an, dass sich der Vorstand in laufenden Gesprächen mit mehreren bekannten und neuen Finanzinvestoren befinde.

Insolvenzverwalter klärt ob Geschäfte weitergeführt werden

Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werde Micrologica zügig klären, ob und wie die Geschäfte weitergeführt werden sollen und wie die ausstehenden Gehälter für die 130 Mitarbeiter gezahlt werden können, hieß es weiter in der Mitteilung. Die Software-Schmiede aus Schleswig-Holstein ist bereits 1998 an den Neuen Markt gegangen und gehörte zu den Altstars des Börsensegments. Die Firma beschäftigt sich mit der Zusammenführung der Telefon- und der Computertechnik, wie sie zum Beispiel in Call- Centern benötigt wird. Da die Produkte einen guten Ruf haben, stieg der Kurs der Aktie nach dem Börsengang kräftig an und erreichte zu Beginn des Jahres 1999 mit mehr als 130 Euro ihren Höchststand. Die Aktie gehörte zum Index NEMAX-50, den sie aber schon lange wieder verlassen musste.

DG-Bank-Analyse: Börsengang verursachte wirtschaftliche Probleme

Nach einer Analyse der DG Bank, die das Unternehmen als Konsortialführer an die Börse brachte, haben Folgen des Börsengangs dem Unternehmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eingetragen. Mit dem Erlös von rund 30 Millionen DM habe Micrologica eine Reihe von anderen Firmen übernommen und zahlreiche Kooperationen begründet, um das Wachstum zu beschleunigen. "Aus der Rückschau ist zu erkennen, dass die Gesellschaft dabei ihre Schlüsselmärkte aus den Augen verlor und sich von ihrer Kernkompetenz entfernte", schreibt die Bank. Zudem sei Micrologica in einen Wettbewerb mit großen Systemhäusern eingetreten, auf den das Unternehmen weder organisatorisch noch personell oder finanziell vorbereitet gewesen sei.

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