Pleite des Reiseunternehmens beschäftigt Gericht
Prozess gegen MP Travel Line-Manager

Neun Jahre nach dem Zusammenbruch des Reiseveranstalters MP-Travel-Line hat heute vor dem Frankfurter Landgericht das Verfahren gegen vier mutmaßliche Verantwortliche der Pleite begonnen.



Reuters FRANKFURT/MAIN. Einem 47 Jahre alten ehemaligen Gesellschafter wirft die Staatsanwaltschaft Kreditbetrug, Konkursverschleppung, Betrug und Steuerhinterziehung vor. Der einstige Buchhalter des Reiseunternehmens muss sich wegen Beihilfe zum Kreditbetrug verantworten. Ferner werden den beiden ehemaligen Geschäftsführerinnen verspätete Bilanzerstellung und nicht ordnungsgemäßes Führen der Bücher vorgeworfen.

MP-Travel-Line war im April 1990 gegründet worden und bestand Ende 1992 aus zehn Gesellschaften in Deutschland, Portugal, Türkei und auf der Isle of Man. Laut Anklage war die Firmengruppe schon Ende 1992 "hoffnungslos überschuldet". Mit einem manipulierten Bilanzabschluss sollen die Angeklagten dennoch im Herbst 1992 bei ihrer Frankfurter Hausbank einen bestehenden Kredit auf 9,3 Mill. Mark erweitert haben.

Im Juli 1993 habe das Frankfurter Amtsgericht schließlich einen Vergleichsantrag über das Vermögen der Gesellschaft abgelehnt und das Konkursverfahren eingeleitet. Laut Anklage hatte MP-Travel-Line noch im April 1993 einer Druckerei den Auftrag für neue Prospekte im Wert von 1,8 Mill. Mark (rund 920 000 ?) erteilt. Ferner habe das Unternehmen Buchungen und Zahlungen von Kunden entgegen genommen, obwohl bereits klar war, dass diese Leistungen nicht mehr erbracht werden konnten.

Richter: Vorwürfe teilweise bereits verjährt

Der Vorsitzende Richter, Klaus Drescher, betonte, der späte Prozessauftakt sei vor allem auf eine überlastete Justiz zurückzuführen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft habe zwar sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und bereits im März 1997 Anklage erhoben. Die zuständige Kammer sei aber mit anderen Verfahren belastet gewesen und habe deshalb erst im vergangenen Jahr die Anklage teilweise zugelassen.

Dagegen habe schließlich die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt. Über diese sei aber erst mehr als ein Jahr später entschieden worden. Aus diesem Grund seien nun viele Vorwürfe vor allem gegen die beiden Geschäftsführerinnen verjährt. Den Antrag der Verteidiger auf Einstellung des Verfahrens wegen Verstoßes gegen die Europäische Menschenrechtskonvention auf ein faires und zeitnahes Verfahren lehnten die Richter heute dennoch ab.

Nach der Pleite des Reiseveranstalters MP-Travel-Line 1993 musste der deutsche Staat wegen einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahre 1996 für die Schäden haften, die Urlaubern durch die verspätete Umsetzung der EU-Pauschalreisen-Richtlinien entstanden waren. Etwa 10 000 Reisende konnten ihren bereits bezahlten oder angezahlten Urlaub nicht mehr antreten. Nach Überzeugung der Luxemburger Richter hatte der deutsche Staat seinen Bürgern einen "konkreten Schaden zugefügt", weil er die EU-Regelung erst zum 1. November 1994 statt zum 1. Januar 1993 in nationales Recht umgesetzt habe und so das Konkursrisiko 1993 noch voll bei den Reisenden lag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%