Pleite droht weiter
Kinowelt wirft Ballast ab

Der von der Pleite bedrohte Medienkonzern Kinowelt hofft nach dem Abwurf von Ballast auf Rettung in letzter Minute. Es sei zwar nicht gelungen, den von der niederländischen Bank ABN Amro gekündigten Kredit in Höhe von mehr als 100 Mill. DM wie verlangt bis Mittwoch zurückzuzahlen, teilte Kinowelt in München mit. Bei der Sanierung sei man aber mit der Rückabwicklung des Kaufs eines Filmpakets von Time Warner einen großen Schritt vorangekommen. In Bankenkreisen wird weiterhin mit einem baldigen Insolvenzantrag gerechnet.

dpa MÜNCHEN. Durch die Rückgabe des Pakets mit 270 Spielfilmen und 600 Serienfolgen an Time Warner entsteht dem Münchner Unternehmen ein außerordentlicher Aufwand in Höhe von 130 Mill. ?. Gleichzeitig aber spart sich Kinowelt nach Angaben eines Sprechers in den nächsten ein bis zwei Jahren Ratenzahlungen in Höhe von 150 Mill. ?.

Der Kauf des Film-Pakets im Jahr 1999 leitete nach Einschätzung von Beobachtern den Niedergang von Kinowelt ein. Das Medienunternehmen stach die Konkurrenten Bertelsmann und Kirch aus und zahlte mit 500 Mill. DM einen laut Experten viel zu hohen Preis. Anschließend weigerten sich die Sender von RTL und der Kirch-Gruppe, Filme aus dem Paket zu kaufen. "Das Time Warner-Paket hätte nur funktioniert, wenn wir umfangreiche Umsätze mit Privatsendern gemacht hätten", sagte der Kinowelt-Sprecher. Diese hätten aber selbst zu "Discount-Preisen" nicht zugegriffen. "Das war eine Art von Boykott." So blieb Kinowelt nur eine kostspielige Rückabwicklung. "Das Geschäft hätte uns sonst in den Tod getrieben."

Kinowelt sieht die Sanierung weitgehend abgeschlossen

Nach der Rückgabe des Time Warner-Pakets sieht Kinowelt die Sanierung weitgehend abgeschlossen. Sollte allerdings innerhalb der nächsten zwei Wochen keine Einigung mit den Banken erzielt werden, muss die Kinowelt Medien AG (München) nach eigener Einschätzung dennoch ein Insolvenzverfahren einleiten.

Kinowelt-Chef Michael Kölmel warnte die Hausbanken vor den Folgen von Kreditkündigungen. "Die Banken haben im Insolvenzfall weniger Sicherheiten, weil die Filmrechte dann an die US-Studios zurückfallen", sagte Kölmel laut Vorabmeldung dem Wirtschaftsmagazin "Focus-Money". Kreditkündigungen seien ein "Eigentor der Banken".

Im Halbjahresbericht wies Kinowelt kurzfristige Schulden von fast 600 Mill. ? aus. In den ersten sechs Monaten hatte das Unternehmen vor Zinsen und Steuern (EBIT) einen Verlust von 161,9 Mill. ? eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch ein EBIT von 50,6 Mill. ? erwirtschaftet. Die Zahlen für die ersten neun Monate will Kinowelt Ende der Woche vorlegen.

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