Pleiten machen sich bemerkbar
Zahl der Ausbildungsverträge ist gesunken

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist in der deutschen Wirtschaft angesichts der Konjunkturschwäche in diesem Jahr auf breiter Front gesunken.

Reuters BERLIN. Erstmals seit sieben Jahren verzeichnete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Ausbildungsjahr 2002, das bis Ende August reicht, einen Rückgang der Neuverträge in Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche. Das Minus lag nach DIHK-Angaben vom Freitag bei 7,4 %, was einem Rückgang auf 244 555 von 263 982 im Jahr zuvor bedeutet. Auch im Handwerk ist die Tendenz negativ. Im bisherigen Verlauf des Kalenderjahres 2002 sei ein starker Rückgang von etwa 8 % registriert worden, sagte ein Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Allerdings hoffe die Branche, diesen Wert in den verbleibenden Monaten des Jahres noch verbessern zu können.

Die Ursache für ungünstige Entwicklung, bei der es aber erhebliche regionale Unterschiede gebe, sehen die Verbände vor allem in der labilen wirtschaftlichen Lage vieler Unternehmen in Deutschland in Folge der schwachen Konjunktur. Der ZDH erklärte, hier machten sich auch die erhöhten Pleite-Zahlen in Deutschland bemerkbar.

DIHK: Besonders starker Rückgang in Westdeutschland

Der DIHK erklärte, besonders stark rückläufig seien in Industrie, Handel und der Dienstleistungsbranche die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in Westdeutschland gewesen. Dort sei ein Rückgang von 8,1 % auf unter 200 000 zu verzeichnen. Nur in zwölf IHK-Bezirken habe die Zahl der Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen leicht zugenommen, in 26 dagegen sei ein Rückgang in zweistelliger Prozentzahl festgestellt worden. Zwar sei auch die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze gesunken, aber nicht so stark, wie das Angebot. Damit drohe nun erstmals seit Jahren wieder ein Absinken der so genannten Versorgungsquote auf unter 100 %.

Im Handwerk ist das derzeitige Minus zwar ebenfalls erheblich, doch sei üblicherweise in den Monaten September und Oktober noch relativ viel Spielraum bei den Abschlüssen von neuen Ausbildungsverträgen, erklärte ein ZDH-Sprecher. DIHK und Handwerksverband beklagten, dass die Ausbildungsreife der Bewerber stetig abnehme. "Immer mehr Jugendliche haben nicht einmal einen Hauptschulabschluss", erklärte der ZDH-Sprecher. Auffällig sei die sinkende Zahl von Vertragsabschlüssen im Handwerk mit ausländischen Jugendlichen. Hintergrund hierfür sei, dass immer mehr dieser Jugendlichen nicht über die nötige Schulbildung und Kenntnis der deutschen Sprache verfügten.

Ungeachtet der insgesamt negativen Zahlen gibt es nach Angaben des DIHK durchaus noch freie Ausbildungsplätze, auch in attraktiven Bereichen wie der Informationstechnik. Erfolgreich seien die bisherigen Bemühungen, die durch das Hochwasser entlang der Elbe gefährdeten Ausbildungsverhältnisse zu retten.

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