Pleiten unter den britischen E-Commerce-Anbietern mehren sich
Internet-Euphorie in Großbritannien kühlt ab

Die Zahl der gescheiterten E-Commerce Angebote in Großbritannien steigt von Woche zu Woche. Vielen Firmen geht das Geld aus, und es hagelt Ergebniswarnungen. Experten sehen trotzdem keinen Grund zur Panik. In der jetzigen Phase trenne sich vielmehr die Spreu vom Weizen.

LONDON. Der Ausleseprozess bei den britischen Dot.com-Werten scheint in vollem Gang. Vergangene Woche gab das Finanzportal "The Street.com" seinen Betrieb in Großbritannien auf, die Damen-Mode-Website "Ready2shop.com" beschloss, ihre Aktivitäten auf Eis zu legen und "Scoot.com", das Online-Branchenverzeichnis und Adressbuch gab einen Umsatzrückgang und höhere Verluste bekannt.

Den Schlussstrich für die TheStreet.com in Großbritannien begründete dessen Chef mit unzureichendem Wachstum, das weitere Kapitalspritzen nicht gerechtfertigt hätte. 64 Mitarbeiter haben damit ihren Arbeitsplatz verloren. Britische Investoren unter der Führung von Chase Capital Partners hatten das Unternehmen mit Mitteln in Höhe von 10,6 Mill. Pfund versorgt.

Ungewissen Zeiten sehen die Aktionäre von Scoot.com entgegen. Das Unternehmen konnte zwar die Zahl seiner Kunden steigern, doch der Umsatz fiel auf 17,8 (19,1) Mill. Pfund. Dagegen erhöhten sich die Verluste von 21,1 Mill. Pfund auf 38,5 Mill. Pfund.

Die US-Gesellschaft Webmergers.com kommt in einer Umfrage zu einem desillusionierenden Ergebnis: Bislang haben in diesem Jahr weltweit 130 Internetfirmen ihren Betrieb aufgegeben. Zudem beschleunige sich die Geschwindigkeit, in der Dot.com-Unternehmen das Handtuch werfen.

Der Internet-Spezialist der Investmentbank Schroders Salomon Smith Barney (SSSB), Albert D. Richards bleibt trotz der Pleitewelle gelassen: "Es wurde doch Zeit, dass sich die Spreu vom Weizen trennt." Angesichts hoher Verluste würden Kapitalgeber jetzt schneller die Reissleine ziehen.

Für Richards ist das "eine Rückkehr zu rationalem Verhalten". Es sei Zeit, dass die Luft aus der "Dot.com-Bubble" entweiche, die sich Anfang dieses Jahres gebildet hat. "Angesichts der überzogenen Erwartungen haben Unternehmen Geld erhalten, die es unter anderen Umständen nie bekommen hätten", rügt Richards die Venture-Capital-Gesellschaften.

Auch institutionelle Investoren hätten häufig daneben gelegen. Die Gründung von Risikokapital-Gesellschaften sei häufig von Gier geprägt gewesen. Diese haben darauf gesetzt, einen schnellen Einstieg in den lukrativen IPO-Markt (Initial Public Offering) zu bekommen, der Begleitung von Firmen beim Börsengang. Noch Mitte März zeigte sich jeder Aktionär glücklich, der Aktien des britischen Reisedienstleisters Lastminute.com zeichnen konnte. Mittlerweile gilt Lastminute als "gefallener Engel" in der Internetbranche (Guardian). Nach dem Börsengang stieg die Notierung kurzfristig bis 550 p und überflügelte damit den Emissionskurs von 380 p kräftig. Mittlerweile hat sich die Notierung auf 80 p eingepegelt, obwohl das Unternehmen bislang alle Versprechen erfüllt hat.

Auf diesem Niveau ist Lastminute.com für Morgan Stanley Dean Witter ein "Outperformer". MSDW gehörte zu den Börsenberatern des Unternehmens. Richards von SSSB stellt dagegen das Business-Modell von Lastminute in Frage. Aber, so Richards, "die haben Cash".

Fehlende Liquidität wird für immer mehr Internetfirmen zum Stolperstein. Zu den ersten spektakulären Dot.com-Pleiten in Großbritannien zählt die Mode-Website Boo.com. Nach Ausgaben von rund 80 Mill. Pfund, nicht eingelösten Versprechen und technischen Problemen wurde die Gesellschaft im Mai diesen Jahres zahlungsunfähig. 300 Arbeitsplätze gingen verloren. Der neue amerikanischen Eigner Fashionmall.com hat jetzt die Mode-Site revitalisiert.

"Doch nicht nur Unternehmen, die sich auf den Handel mit Endkunden spezialisiert haben, hätten teilweise unrealistische Geschäftspläne vorgelegt", so Richards. Auch Internetfirmen die auf Business to Business-Strategien (B2B) setzen würden Schiffbruch erleiden. B2B habe sich zu einer Modebezeichnung entwickelt, hinter der oft wenig Substanz steckt".

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