Pleiten werden nicht ausgeschlossen
Analysten: Keine Entwarnung für Mediensektor

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen hat die deutsche Medienbranche in diesem Jahr gebeutelt und das Vertrauen der Anleger vor allem in die am Neuen Markt notierten Firmen erschüttert. Analysten geben auch für 2002 keine Entwarnung. Sie rechnen mit einer Fortsetzung der Auslese unter Filmproduzenten, Rechtehändlern und Internet-Anbietern. Die Branche werde sich vor allem durch Übernahmen und Fusionen weiter konsolidieren. Auch Pleiten seien nicht ausgeschlossen. Unternehmen, die sich zuletzt häufig verzettelt hätten, würden ganze Geschäftsbereiche aufgeben und sich auf lukrative Nischen konzentrieren. "Die Branche wird kleinere Brötchen backen", fasst HypoVereinsbank-Analyst Volker Bosse den Trend zusammen.

Reuters MÜNCHEN. Der Absturz des früheren Börsenstars EM.TV & Merchandising, der schon im Jahr 2000 mit einem Kursrutsch von mehr als 90 Prozent begann, sollte nur der Vorbote für weitere Krisen im Mediensektor sein. Der Filmproduzent und Rechtehändler Kinowelt meldete im Dezember Insolvenz an. Advanced Medien AG muss sich aus dem Filmverleih zurückziehen und ist als so genannter "Penny Stock" genau wie die F.A.M.E. Film & Musik Entertainment AG vom Ausschluss aus dem Neuen Markt bedroht. Der Medienindex des Wachstumssegments fiel seit Herbst 2000 um 90 Prozent und entwickelte sich damit noch schlechter als der Neue Markt an sich, der im selben Zeitraum rund 76 Prozent einbüßte.

Kaum ein Medienunternehmen kam an der Senkung seiner Prognosen vorbei. Die Krisenstimmung erfasste auch große Konzerne. So gab die Senderfamilie ProSiebenSat.1 wegen der Flaute auf dem deutschen TV-Werbemarkt gleich drei Gewinnwarnungen heraus. Die Kirch-Gruppe[KRCH.UL] muss wohl Beteiligungen verkaufen, um fällige Kredite zurückzahlen zu können. Auch Constantin Film, das mit "Der Schuh des Manitu" den erfolgreichsten deutschen Film der vergangenen 20 Jahre in die Kinos brachte, musste seine Ziele herunter schrauben. "Dass Constantin trotz dieses Erfolges eine Gewinnwarnung herausbringen musste, verdeutlicht die Dramatik", sagte Bosse.

2002 werden sich die Medienunternehmen daher gewaltig anstrengen müssen, um das Vertrauen der Anleger wieder zu gewinnen. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen dafür werden zumindest in den ersten beiden Quartalen eher schlecht sein. Der deutsche TV-Werbemarkt wird sich nach der Ansicht von Experten von seinem Einbruch von vielleicht bis zu zehn Prozent in diesem Jahr erst in der zweiten Jahreshälfte 2002 erholen. Positive Impulse könne es aber geben, wenn sich erste Ergebnisse der Restrukturierungen in den Zahlen der Unternehmen niederschlügen, heißt es in einer Branchenstudie von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Das könne schon im ersten Halbjahr geschehen.

Manche Firmen werden Experten zufolge auch 2002 mit einer angespannten finanziellen Lage zu kämpfen haben. "Ich glaube aber nicht, dass es zu einem großen Unternehmenssterben kommen wird", sagte Analyst Jan Herbst von Sal. Oppenheim. Die Firmen würden sich eher auf bestimmte Geschäftsfelder zurückziehen. "Dann ist natürlich auch die Wachstumsfantasie vorbei." Einige Unternehmen seien mit ihrem Branchen-Knowhow und dem niedrigen Börsenkurs auch attraktive Übernahmekandidaten, heißt es bei Experten, die H5B5 und RTV als Beispiele nennen. Fusionen wie von Focus Digital und Tomorrow Internet und Übernahmen wie von Brainpool durch Viva Media werde es auch 2002 geben.

Die Favoriten aus dem Mediensektor für das nächste Jahr sind für Analyst Herbst der Trickfilmproduzent TV-Loonland, der Konzertveranstalter DEAG Entertainment und die Neue Sentimental Film AG. Marc Röhder von HSBC Trinkaus empfiehlt Constantin und Viva Media zum Kauf. Gut positioniert seien vor allem Filmproduzenten, die auch international tätig seien, hieß es bei den Analysten. Firmen mit dem Schwerpunkt Rechtehandel hätten es dagegen schwer, zumal die deutschen Fernsehsender ihre Filme zunehmend selbst bei den US-Studios einkauften.

Spannend könnte es nach Ansicht von Analyst Herbst werden, wenn durch den Ausbau des Digital-Fernsehens und einen möglichen Eintritt des US-Konzerns Liberty Media in den deutschen Fernsehmarkt neue Nachfrager nach Inhalten (Content) aufträten. "Davon könnten vor allem die kleinen Unternehmen profitieren." Wegen dieser Dynamik habe er den Mediensektor insgesamt auch auf "Neutral" von "Untergewichten" nach oben gestuft.

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