Pleitgen pocht auf eine unverschlüsselte Übertragung
ARD fordert Fernsehen ohne Grenzen

Der Fernsehsender ARD besteht auf einer unverschlüsselten Ausstrahlung der Fußballweltmeisterschaft per Satellit. "Die ARD würde gegen ihren gesetzlichen Auftrag verstoßen, wenn sie generell darauf verzichtete", sagte der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Fritz Pleitgen dem Handelsblatt.

KÖLN. Damit wendet er sich gegen Forderungen der Kirch-Gruppe und des spanischen Bezahlfernsehsenders Via Digital. Als Inhaber der TV-Rechte an der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea hatte Kirch der Via Digital für schätzungsweise rund 200 Mill. Euro die exklusiven Rechte aller 64 Live-Spiele zugesichert.

Danach verkaufte er ARD und ZDF die deutschen Live-Rechte an 24 Partien. Via Digital - Pay-TV-Sender des spanischen Telekomriesen Telefónica - sieht jetzt seinen Vertrag verletzt, weil spanische Haushalte über einen analogen Satelliten die von ARD und ZDF übertragenen Spiele kostenlos in Spanien empfangen können. Via Digital fordert daher eine Preisnachlass von Kirch oder eine Verschlüsselung der WM-Übertragungen von ARD und ZDF.

Pleitgen will sich auf keinen Kompromiss einlassen: "Für die ARD kommt nur die unverschlüsselte und frei zugängliche Verbreitung ihres Programms in Frage. Das gilt auch für die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Wieso sollten deutsche Urlauber im Ausland unsere Programme plötzlich nicht mehr ungehindert empfangen dürfen?"

Kirch-Gruppe hoffte auf eine einvernehmliche Lösung

Für die finanziell angeschlagene Kirch-Gruppe ist die harte Position der ARD ein Problem. Denn möglicherweise muss die mit 6,5 Mrd. Euro verschuldete Mediengruppe mit Via Digital über einen Preisnachlass verhandeln. "Wir sind der Rechtsauffassung, dass es keine Interessenskollision zwischen den Verträgen von ARD und ZDF sowie Via Digital gibt", betont zwar ein Kirch-Sprecher. Via Digital sieht jedoch noch großen Gesprächsbedarf und drohte sogar mit dem Gang vor ein deutsches Gericht. Derzeit laufen Gespräche zwischen Kirch und Via Digital. Der Münchener Medienkonzern bleibt optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass sich die offenen Fragen bis zum Beginn der Weltmeisterschaft einvernehmlich klären lassen."

Pleitgen stellte klar: "Der Vertrag mit Via Digital ist die Sache von Kirch. Von uns kann keiner der Beteiligten allen Ernstes verlangen, dass wir wegen Verträgen anderer ein Drittel unseres Publikums - die Zuschauer mit Satellitenanschluss - vom Empfang unserer Programme ausschließen."

Die ARD macht unterdessen politisch Druck. Pleitgen fordert ein dauerhaftes Recht für die Ausstrahlung über Ländergrenzen hinweg. "Die Pest der Verschlüsselung von Fernsehprogrammen geht in Europa um. Jetzt ist die Politik in Deutschland und Europa gefordert", sagt der ARD-Chef. Pleitgens Grundsatzposition: "Ich halte die Verschlüsselung öffentlich-rechtlicher Programme für einen Rückschritt und inakzeptabel." Die Spielregeln in Europa seien klar: Es gebe eine Satelliten- und Kabel-Richtlinie der EU. Sie gehe davon aus, dass Sendungen in einem Land per Satellit ausgestrahlt werden und dadurch auch in benachbarten Ländern zum Teil empfangen werden können (Sendelandprinzip). Eine Überlappung von Sendegebieten (Spill-over) sei erlaubt.

Die Olympischen Winterspiele bescherten der ARD Zuschauerrekorde. Mit ihrer Quote im Februar verwiesen ARD (16,2 %) und ZDF (15,8 %) die privaten Konkurrenten RTL (13,1 %) und Sat 1 (13,1 %) auf die hinteren Plätze. "Das Publikum will Spitzensport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen", sagt Pleitgen. Deshalb sieht er den Preis von 110 Mill. Euro plus Mehrwertsteuer für die Fußball-Weltmeisterschaft für gerechtfertigt.

Für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sollen ARD und ZDF 255 Mill. Euro an die Kirch-Gruppe überweisen. Sollte das Unternehmen wegen einer Insolvenz nicht mehr die Rechte besitzen, sieht sich die ARD in der Pole-Position. "Sollten wir von Kirch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht bekommen, dann reduziert sich der Preis um etwa 50 Millionen Mark. Wenn man diese Klausel berücksichtigt, hätten wir für die Weltmeisterschaft 2002 einen sehr günstigen Preis gezahlt", sagt Pleitgen.

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