Pleitgen will mehr Berichterstattung über andere Kulturen
Weiter Sondersendungen zum Terroranschlag

Im deutschen Fernsehen wirbeln die Ereignisse um die Terroranschläge in USA weiter das Programm durcheinander. Mit zahlreichen Sondersendungen werden die Zuschauer auf dem Laufenden gehalten. So ist das ARD-Morgenmagazin auch am Wochenende ausnahmsweise auf Sendung, am Samstag von 07.00 bis 10.00 Uhr, am Sonntag von 09.00 bis 11.30 Uhr. Auch ZDF, RTL und viele andere Kanäle stellen ihre Programme zu Gunsten der aktuellen Berichterstattung um.

ap FRANKFURT/MAIN. Ein klassisches Konzert zum Gedenken an die Terrorismus-Opfer am Sonntag um 11.00 Uhr überträgt 3sat live aus der Berliner Philharmonie, das ZDF zeigt eine Aufzeichnung ab 23.50 Uhr. Der Musiksender Viva will am Samstag zum normalen Sendeablauf zurückkehren. Er hatte sein Programm am Dienstagnachmittag als einziger Sender völlig eingestellt und seit Mittwoch nur noch Videoclips ohne Moderation sowie am Nachmittag einen interaktiven Austausch mit den Zuschauern gesendet. Bei MTV laufen weiter nonstop Videoclips, die Euro-Top-20 soll ohne VJ ausgestrahlt werden.

ZDF -Chefredakteur Nikolaus Brender lobte die Leistung des Senders: "In keinem anderen Programm hat es so viele Gespräche und Interviews gegeben, um die Wirkungsmacht der furchtbaren Bilder zu brechen. Eine unkommentierte, nicht einordnende Ausstrahlung entspricht nicht unserem Verständnis von Newskompetenz." Die Konferenz der ARD-Gremienvorsitzenden unter Vorsitz von Reinhard Grätz gab die Leitlinie aus, die Wirklichkeit ohne Sensationslust und Verzerrung begreifbar zu vermitteln und zu analysieren. Dies sei das Gebot der Stunde.

Der ARD -Vorsitzende, WDR-Intendant Fritz Pleitgen, sagte in einer Rede in der Dresdner Frauenkirche, die Medien hätten eine Berichterstattungspflicht. Andererseits spielten potenzielle Attentäter auch mit der Möglichkeit, dass ihre Taten eine zusätzliche Dynamik wegen der unmittelbaren Verbreitung der Bilder erhielten. Pleitgen sagte weiter, besondere Bedeutung komme in nächster Zeit der Berichterstattung über andere Kulturen zu. Die Medien könnten Vorurteile widerlegen oder bestätigen. Die am Gemeinwohl orientierten öffentlich-rechtlichen Sender hätten den Auftrag, zwischen den Kulturen zu vermitteln.

Nach Ansicht des SPD-Politikers und Kommunikationswissenschaftlers Peter Glotz war die mehrtägige Konzentration der Medien auf die Terroranschläge falsch. Glotz sagte im Deutschlandradio Berlin: "Die Leute wollen auch noch etwas anderes hören, obwohl sie natürlich nach wie vor daran interessiert sind zu erfahren, wann Bush losschlägt und wer Osama bin Laden ist."

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