Poker hat begonnen
WAZ-Gruppe in Gesprächen über Einstieg bei Kirch

Die Essener WAZ-Gruppe führt nach Angaben aus Finanzkreisen Gespräche über einen Einstieg bei der insolventen Kirch-Media.

Reuters MÜNCHEN. "WAZ-Mitgesellschafter Günther Grotkamp ist in die Verhandlungen eingeschaltet", hieß es am Dienstag aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen. Ein Sprecher der WAZ-Gruppe gab dazu keine Stellungnahme ab.

Am Montag hatte die Kirch-Media, die über Deutschlands größte Filmbibliothek und die Mehrheit an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 verfügt, einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Zuvor waren die Rettungsgespräche der Gläubigerbanken mit den Minderheitsgesellschaftern um den australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und den Mediaset-Konzern des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gescheitert. Die zwei neuen Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems und Wolfgang van Betteray suchen nun nach neuen Investoren aus der Medienbranche.

Dabei sind Gespräche mit internationalen Investoren nicht ausgeschlossen. Nach langwierigem Verhandlungspoker scheinen allerdings zumindest Murdoch und Berlusconi vorerst aus dem Rennen zu sein. Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann hatte die Minderheitsgesellschafter ungewöhnlich deutlich kritisiert und ihnen unprofessionelles Verhalten bei den Verhandlungen vorgeworfen.

Auch wenn die Gläubigerbanken zunächst auf inländische Investoren zugehen, wird es im Ergebnis wohl eine gemischte Lösung geben, bei der neben deutschen Medienkonzernen auch internationale Investoren Know-How und Eigenkapital bereit stellen. Hypo-Vereinsbank-Sprecher Albrecht Schmidt warnte am Dienstag davor, sich ausschließlich auf eine "deutsche Lösung" zu konzentrieren. "Es wäre töricht in einem globalen Markt, an den nationalen Grenzen Halt zu machen", sagte Schmidt.

Put-Option wird Springer wohl kaum nutzen

In Bankenkreisen hieß es, Verhandlungen seien mit einem der Wunschpartner - dem Axel Springer Verlag - geführt worden. Dabei habe der Verlag grundsätzliches Interesse an einer strategischen Position in der neuen Kirch-Media signalisiert.

Eine Springer-Sprecherin kommentierte dies nicht. Dabei dürfte dem Verlag eine Verkaufsoption in Höhe von 767 Mill. Euro für seinen 11,5-prozentigen Anteil an der ProSiebenSat.1 wohl kaum nutzen. Da die Option nicht besichert sei, gehöre sie zur normalen Konkursmasse, hatte Betteray am Montag betont. Den Tausch einer wertlosen Forderung in eine werthaltige Beteiligung (der künftigen KirchMedia) kenne das deutsche Insolvenzrecht nicht, hatte er gesagt. Mit Blick auf die offenbar nahezu wertlose Put-Option Springers hieß es in Bankenkreisen, in Deutschland sei wohl nur die WAZ-Gruppe finanziell in der Lage, einen Einstieg von rund 25 Prozent in der neuen Kirch-Media zu schultern.

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