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Poker um Hitzfeld tritt in die entscheidende PhaseDPA-Datum: 2004-06-27 14:33:29

Almancil (dpa) - Der Poker zwischen dem Bundestrainer-Topfavoriten Ottmar Hitzfeld und DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder tritt in die entscheidende Phase.

Almancil (dpa) - Der Poker zwischen dem Bundestrainer-Topfavoriten Ottmar Hitzfeld und DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder tritt in die entscheidende Phase.

Nach einer ersten Kontaktaufnahme soll es offenbar noch während der EM in Portugal zu einem Treffen kommen, bei dem die Bedingungen für eine Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Trainers als Nachfolger von Rudi Völler abgeklärt werden sollen. «Telefonate werden geführt», sickerte aus Kreisen des Verbands-Präsidiums durch, während Hitzfeld nach außen große Zurückhaltung übte.

Mayer-Vorfelder, der die Trainersuche zur «alleinigen Chefsache» erklärt und offiziell eine Nachrichtensperre verhängt hat, wird in der neuen Woche von der portugiesischen Hauptstadt aus die Fäden ziehen, nachdem er weiterhin aus dem deutschen EM-Quartier in Almancil handelte. Von 29. Juni an ist der Verbandschef in Lissabon bei der UEFA-Exekutive gebunden.

Auch der zurückgetretene Völler bescheinigte aus seinem Urlaubsquartier in Florida Hitzfeld die besten Voraussetzungen. «Ottmar ist auf Grund seiner Erfahrung, Titel und Art für die Nationalelf sicherlich eine sehr gute und logische Lösung, zumal er zu haben ist», erklärte der ehemalige Teamchef in der «Bild am Sonntag». Zwar hätte es auch sein ehemaliger Lehrmeister Otto Rehhagel «mal verdient, die Nationalmannschaft zu trainieren», sagte Völler. Doch Rehhagel legte sich im ZDF bereits fest, seinen Vertrag beim EM-Halbfinalisten Griechenland bis 2006 zu erfüllen: «Ich werde bei den Griechen bleiben. Es sei denn, die sagen, es reicht jetzt.»

Dass Hitzfeld selbst seine Entscheidung für den DFB am Wochenende in der «Welt am Sonntag» als «sehr, sehr offen» bezeichnete und die Wahrscheinlichkeit eines DFB-Engagements bei «weniger als 50 Prozent» ansetzte, kann wohl als Teil des Pokers verstanden werden. Einige Bedingungen hat der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer schon formuliert: «Wenn ich das mache, dann nur mit Michael Henke. Zu ihm habe ich ein absolutes Vertrauensverhältnis», sagte Hitzfeld. Zudem müsse über Konzepte und Personalien diskutiert werden.

Die Liga drängt Mayer-Vorfelder zu einer von allen getragenen schnellen Einigung mit Hitzfeld. Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer glaubt nicht, dass sich der DFB-Chef Zeit lassen kann: «Dann wäre der Druck zu groß.» Neben Völler votierten am Wochenende auch weitere prominente Trainer für Hitzfeld. Der neue Bayern-Coach Felix Magath formulierte deutlich: «Ich glaube, jetzt ist nicht die Zeit für Experimente. Sondern man muss den Besten nehmen, den man kriegen kann. Und das ist Ottmar Hitzfeld. Ich halte ihn für den einzigen, der das schaffen kann.» Matthias Sammer, Nachfolger von Magath beim VfB Stuttgart, legte sich ebenfalls auf Hitzfeld fest: «Was er in den letzten Jahren geleistet hat, spricht schon allein dafür.»

Unterdessen betonte Völler in seinem Urlaubsort in den USA, dass er allein und niemand anders nach dem EM-Aus gegen Tschechien die Rücktritts-Entscheidung getroffen habe: «Es war eine saubere und ehrliche Trennung.» Der 44-Jährige widersprach Meldungen, die DFB - Spitze habe nicht um ihn gekämpft. Sowohl Präsident Mayer-Vorfelder als auch Generalsekretär Horst R. Schmidt hätten in jener Nacht nach dem Ausscheiden versucht, ihn zum Weitermachen zu überreden. «Aber nachher waren meine Argumente für sie nachvollziehbar», meinte Völler, der seinen Vertrag mit dem DFB bereits mündlich aufgelöst hat. Der Verband stellt von sofort an die Gehaltszahlungen ein und spart so rund fünf Millionen Euro.

Jens Nowotny berichtete im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) von einer weiteren Gesprächsrunde in Almancil. Einige Nationalspieler, die nicht mit der Mannschaft nach Hause gereist waren, hatten im Beisein Mayer-Vorfelders die Trainerfrage diskutiert. Dabei fiel auch der Name Daum. «Er war mit der beste Trainer, unter dem ich gearbeitet habe. Wir sind eine Gesellschaft, in der man sagt, jeder sollte eine zweite Chance kriegen», sagte Nowotny zu Daum, der vor vier Jahren wegen seiner Kokain-Affäre das Amt des Bundestrainers nicht antreten konnte. Jan Lengerke, Mayer-Vorfelders persönlicher Referent, ließ durchblicken, dass Daum zumindest wieder zur Diskussion steht: «Er ist ein hervorragender Trainer. Seine Fehler liegen in anderen Bereichen.»

Schon die Idee, Daum zum Kandidaten zu erklären, rief bereits Widerstand einiger einflussreicher Fußball-Funktionäre hervor. So kündigte Beckenbauer seine Einflussnahme als Bayern-Präsident und DFB-Präsidiumsmitglied an: «Ich werde meinen Senf dazu geben.» Hitzfeld sei die «einzige Alternative», unterstrich der «Kaiser».

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