Pokia-Handys
Die Zukunft spricht mit Hulger

Es sind nicht nur die großen technischen Würfe, die auf der Cebit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, auch kleine, aber witzige Gimmicks sind auf dieser Messe ein willkommenes Gesprächsthema.

Handys mit einem klassischen Telefonhörer zu verbinden? Die Idee ist so banal, das Nick Roope sie niemandem hätte verkaufen können. Schon im Jahr 2000 hatte er den Einfall, dachte aber damals, es sei bereits zu spät dafür. Doch er irrte sich.

2002 rüstet Roope aus Spaß alte Hörer nach und verkauft sie über Ebay, die Marke Pokia ist geboren. Das Geschäft läuft an, konsequent industrialisiert Roope sein Produkt: in London designt und in China produziert steht es ab Januar 2005 über Pokia.com zum Verkauf. Alle sind "amused", außer natürlich der Handy-Hersteller Nokia. Zum Juni 2005 ist ein Namenswechsel fällig. Der neue Name: Hulger. Pate steht Roopes Großvater, ein "vernünftiger Däne", der mit der Konsumgesellschaft nichts anzufangen wusste. Der Jung-Unternehmen gründet eine kleine Limited- Gesellschaft , bei der zwei Mitarbeiter alles In-House übernehmen: vom Design bis zum Management des Online-Shops.

Angesichts der Preise zwischen 60 und 130 Euro meidet Hulger den Vertrieb per Media Markt und konzentriert sich stattdessen auf Design- und Modeläden. Hauptmärkte sind Deutschland und Japan.

Längst hat sich Hulger weiter entwickelt: Nach dem Urmodell P*Phone (im Stil der 50er) gibt es jetzt auch noch das Penelope*Phone (im Stil der 30er) und das schlanke Pip*Phone (im Stil der 80er), limitierte und personalisierte Editionen folgen. Renner sind die Bluetooth- Versionen der Hörer. Der Absatz in den ersten neun Monaten lag bei 10 000 Geräten. 25 Prozent des Umsatzes generiert das Unternehmen über Hulger.com. Auf den Vertrieb per Ebay verzichtet Hulger wegen zahlreicher Kopien, die auf dieser Plattform angeboten werden. War die Ur-Idee eher als kleine Provokation für modebewusste Partyfreaks gedacht, sind die Aussichten mehr als vielversprechend. Wo Flat-Rate-Verträge wie BASE zum ununterbrochenen Telefonieren einladen, bietet der strahlungsfreie Hörer eine gesunde Alternative zum heißen Handy.

Darüber hinaus sind die Hörer, erst einmal mit dem Rechner verbunden, für die boomende Internet-Telephonie wie geschaffen. 29 Millionen aktive Skype-Nutzer brauchen Besseres als die PC-interne Ausrüstung. Vor diesem Hintergrund bietet Hulger alles, was dem Menschen heute fehlt. Vor allem ein Produkt, das gut in der Hand liegt. Zwar sind viele Handys schön und leistungsfähig und es gibt fürs Freisprechen viel Zubehör.

Aber die perfekte, erprobte Ergonomie des klassischen Hörers bleibt unübertroffen: Mikrophon und Lautsprecher sind dort platziert, wo sich auch Mund und Ohr befinden. Zwar mag das Design nicht neu sein. Aber der jüngeren Generationen bietet es die Neuentdeckung einer populären Ikone - ein Prinzip, das sowohl in der Mode, als auch in der Unterhaltungsbranche großen Zuspruch genießt.

Noch wichtiger: Der Akt des Kommunizierens ist nach wie vor ein sehr persönliches Erlebnis, das nicht nur funktionell und ergonomisch, sondern auch psychologisch seine Dimension sucht. Intimität, Haptik, sogar Erotik spielen dabei eine wichtige Rolle. Handy und Laptops taugen nicht dafür. Hulgers sympathischer, Hi-Feel-Hörer stellt sich dagegen als universell einsetzbare, ganz persönliche Schnittstelle dar und kann somit zum unverzichtbaren Fetisch werden. So viel zur Wirkung eines banalen Designs, das jeder hätte übernehmen können.

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