Polen will nicht das „Enfant terrible“ sein
Eine Außenpolitik von der Stange

Donald Rumsfeld muss umdenken. Sein Wort vom neuen Europa, das der US-Verteidigungsminister im Irak-Krieg prägte, zieht nicht mehr. Schon jetzt sind "neue" und "alte" Europäer im diplomatischen Alltag kaum noch zu unterscheiden. "Wir haben die Spaltung hinter uns gelassen und blicken nach vorn", sagt Frankreichs Außenminister Michel Barnier.

HB, BRÜSSEL. Bereits seit einem Jahr sitzen die Außenminister Polens, Ungarns oder Tschechiens im "Rat für Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen", wie es im EU-Amtsdeutsch heißt. Kein einziges Mal, schwören Insider, ist es zu Konflikten mit den alteingesessenen Kollegen gekommen. Daran wird sich jetzt, wenn die Neuen volles Stimmrecht erhalten, nicht viel ändern. "Dieser Rat stimmt nie ab. Außenpolitik hat nichts mit Mathematik zu tun", sagt eine Mitarbeiterin von EU-Chefdiplomat Javier Solana.

Wird sich die Außenpolitik Europas gar nicht ändern? Bringen die neuen Mitglieder keine Impulse, erhält die europäische Außenpolitik kein größeres Gewicht? Darauf hört man in Brüssel unterschiedliche Antworten. Am vorsichtigsten geben sich die Diplomaten der Beitrittsländer. Statt vehement für Amerika einzutreten, wiegeln sie ab: "Wir spielen nicht das Enfant terrible", sagt ein polnischer Diplomat. Zwar stehe Polen den USA näher als andere EU-Mitglieder. Auch habe man sich im Irak als loyaler Partner präsentieren wollen. Doch das sei vorbei. Nun gehe es darum, in der EU akzeptiert zu werden. "Gebt uns zwei Jahre", wirbt der Diplomat, "und ihr werdet sehen, dass Polen ein eifriger Schüler ist."

Ganz anders klingt es aus Paris. Natürlich wird es mit 25 Außenministern komplizierter, räumt ein Diplomat ein. Doch es wäre unfair, die europäische Außenpolitik nur anhand der Beziehungen zu Amerika zu beurteilen. Die neuen Mitglieder könnten "reale Interessen geltend machen" - etwa in der Ukraine oder in Belarus. "Wir sind optimistisch", heißt es am Quai d?Orsay.

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