Politbarometer
Stimmungseinbruch für SPD und Schröder

Nach den Querelen bei der Telekom, der Entlassung von Scharping und den hohen Arbeitslosenquoten ist die Stimmung für die SPD und auch für den Kanzler eingebrochen. Die Union und Edmund Stoiber legen vor allem auch aufgrund deutlich höherer Kompetenzen auf den Feldern Wirtschaft und Arbeitsplätze zu.

mil MAINZ. In der politischen Stimmung liegt die CDU/CSU jetzt mit 43 Prozent wieder acht Prozentpunkte vor der SPD mit 35 Prozent. Die Grünen kommen unverändert auf 7 Prozent, während sich die FDP auf 10 Prozent verbessert. Die PDS stagniert bei 3 Prozent.

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, dann würde durch längerfristige Überzeugungen und auch taktische Überlegungen ein etwas anderes Ergebnis zustande kommen, die erheblichen Stimmungsänderungen kämen nicht voll zur Geltung: SPD 36 Prozent (-1), B'90/Grüne 6 Prozent (unverändert), CDU/CSU 41 Prozent (+1), auch die FDP verbessert sich auf 9 Prozent (+1), unverändert hingegen die PDS 5 Prozent, die anderen Parteien zusammen 3 Prozent (-1). Damit gäbe es wieder eine parlamentarische Mehrheit für eine schwarz-gelbe Koalition.

Veränderung bei Kanzlerfrage

Sehr deutlich fällt die Veränderung bei der Kanzlerfrage aus: "Wen hätten Sie lieber als Bundeskanzler?" Hier hat sich der Vorsprung von Gerhard Schröder (48 Prozent) auf Edmund Stoiber (41 Prozent) von 16 auf jetzt nur noch 7 Prozentpunkte verringert.

Bei einem Vergleich der Profile von Gerhard Schröder und Edmund Stoiber fallen vor allem die deutlichen Differenzen bei der Dimension "Sympathie" und "Siegertyp" zugunsten von Schröder auf:

Wer ist sympathischer?
Schröder: 53 Prozent
Stoiber: 23 Prozent
kein Unterschied: 21 Prozent

Wer ist eher ein Siegertyp?
Schröder: 47 Prozent
Stoiber: 18 Prozent
kein Unterschied: 29 Prozent

Umgekehrt liegt Stoiber bei den Kompetenzen deutlich vor Schröder:

Wer kann Wirtschaftsprobleme besser lösen?
Stoiber 33 Prozent
Schröder: 14 Prozent
kein Unterschied: 44 Prozent

Wer kann neue Arbeitsplätze schaffen?
Stoiber 30 Prozent
Schröder: 11 Prozent
kein Unterschied: 50 Prozent

Von den Vorschlägen der Hartz-Kommission schon einmal etwas gehört zu haben, geben 65 Prozent an (nicht gehört: 35 Prozent). Lediglich 24 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass diese Vorschläge einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Arbeitslosigkeit leisten können, 29 Prozent glauben das nicht, und neben den 35 Prozent, die von den Vorschlägen noch nichts gehört haben, haben dazu weitere 12 Prozent keine Meinung.

Weiter vergrößert hat sich der Kompetenzvorsprung der Union vor der SPD bei den Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze, die zunehmend identisch beurteilt werden: So trauen beim Thema Wirtschaft inzwischen 39 Prozent (+6) der CDU/CSU am meisten zu und nur noch 22 Prozent der SPD (-3). Fast genauso sieht es aus, wenn es darum geht, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das erhoffen sich am ehesten von der Union 38 Prozent (+4), von der SPD 22 Prozent (-1). Die Entlassung von Rudolf Scharping durch Bundeskanzler Schröder zum jetzigen Zeitpunkt finden 61 Prozent richtig und 32 Prozent nicht richtig. Allerdings sind 74 Prozent der Meinung, dass Schröder Scharping schon früher hätte entlassen müssen, lediglich 18 Prozent sehen das nicht so.

Die zehn wichtigsten Politiker

Auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker in Deutschland gibt es die stärksten Veränderungen bei Gerhard Schröder: Weiterhin auf Platz eins liegt Joschka Fischer, der auf einer Skala von-5 bis +5 jetzt einen Durchschnittswert von 1,8 erhält, gefolgt von Lothar Späth mit 1,6, danach Gerhard Schröder, der mit nur noch 1,1 deutliche Ansehensverluste hinnehmen muss. Unmittelbar danach folgt Angela Merkel mit 1,1, danach unverändert Otto Schily (0,9), Edmund Stoiber (0,7) und Hans Eichel (0,7). Jeweils mit leichten Verlusten: Renate Künast 0,4, Guido Westerwelle 0,2 und Schlusslicht Gregor Gysi (-0,5).

Die Umfragen zum Politbarometer wurden wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 22. bis 25. Juli 2002 unter 1 262 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in ganz Deutschland. Die Fehlertoleranz bei den großen Parteien beträgt 2,7 Prozentpunkte, bei den kleineren rund 1,4 Prozentpunkte.

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