Politik der Regierung als Begründung
US-Firma boykottiert deutschen Lieferanten

Ein Mittelständler aus der sächsischen Provinz muss für die Außenpolitik der Bundesregierung büßen: Zum ersten Mal hat ein US-Unternehmen ausdrücklich den Streit zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George Bush über den Irak-Konflikt zum Anlass genommen, einen Auftrag an ein deutsches Unternehmen zu kündigen.

va BERLIN. Die Lederett Lederfaserwerkstoff GmbH aus Siebenlehn verlor so ihren größten amerikanischen Kunden, die Enefco International Ltd. aus Auburn. "Dieser amerikanische Patriotismus bedeutet für uns, dass wir den US-Markt für eine Weile vergessen können", sagte Grit Kuhnt, Geschäftsführerin von Lederett.

Den "ersten konkreten Fall eines Boykotts deutscher Produkte" bestätigte Fred Irwin, der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Er hoffe, dass das ein Einzelfall sei - "aber ich glaube es nicht". Öffentliche Aufrufe zum Boykott gegen deutsche Firmen habe es seines Wissens nach bisher nur einmal gegeben, und zwar von den US-Kongressabgeordneten Pete Wilson und Dennis Hastert. Amerikanische Medien forderten bisweilen zwar zum Boykott französischer, nicht aber deutscher Produkte auf.

Enefco, ein Zulieferer der US-Schuhindustrie, erklärte Lederett seine Kündigung in einem Schreiben vom 18. Februar, das dem Handelsblatt vorliegt. "Wir waren sehr zufrieden mit der Qualität, dem Service und den Preisen", heißt es darin wörtlich. Der Grund für den Abbruch der Handelsbeziehungen sei "die fehlende Unterstützung der USA durch die Bundesrepublik Deutschland" gewesen. Die Firma werde jetzt bei lokalen Anbietern kaufen, auch wenn das teurer sein sollte. Falls sich das politische Klima ändere, werde man sich wieder "wohl dabei fühlen, Lederett-Material zu nutzen."

Kuhnt sagte, der verlorene US- Kunde bedeute für Lederett in diesem Jahr einen Umsatzverlust von 48 000 Euro - eine kleine Summe, aber nicht für ein Unternehmen mit 46 Beschäftigten und 600 000 Euro Umsatz. In einem offenen Brief an Schröder habe sie um dessen Unterstützung gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.

Die USA sind nach Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner. Von den deutschen Exporten gingen 2002 dem Statistischen Bundesamt zufolge rund 10,6 % in die USA. Ein Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels sagte dazu: "Wir sehen, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern belastet." Genaue Zahlen könne er aber noch nicht nennen.

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