Politik ignoriert wachsende Sorgen der Unternehmen
Amerikanische Konzerne bekommen die Euro-Schwäche zu spüren

Die Warnung kommt aus einer politisch unverdächtigen Ecke. Gary Fayard, der Finanzchef des amerikanischen Getränke-Giganten Coca-Cola, fürchtet, dass die Erlöse der weltweiten Nummer eines bei Limonaden in Europa bald unter Druck geraten, falls der Euro da bleibe, wo er heute steht. Schließlich tragen die Euro-Länder zu 16 % zu den globalen Gewinnen von Coca-Cola bei.

zz WASHINGTON. Seit seinem Start vor ein-dreiviertel Jahren hat der Euro gegenüber dem Dollar fast ein Drittel seines Wertes verloren, in diesem Jahr allein 16 %. Selbst Weltkonzerne wie Coca-Cola, die sich durch Termingeschäfte gegen einen fallenden Euro abgesichert haben, sind von der Schwäche der europäischen Währung überrascht worden. So hat der Getränkekonzern noch keine Sicherungsmaßnahmen für das Jahr 2001 getroffen. Bliebe der Euro so schwach wie jetzt, würde das voll auf die Erträge durchschlagen.

Auch andere amerikanische Konzerne mit einer starken Basis in Europa spüren den Druck auf die Erträge, der aus dem schwachen Euro resultiert. Der Analyst Scott Cooley von Morningstar sieht das Problem von McDonald's, Gillette, Procter & Gamble, Colgate, Dell Computer oder Apple nüchtern: "Der Verfall des Euro ist mit Sicherheit negativ für viele amerikanische Unternehmen." Doch der Researcher Ed Rosenbaum weiß auch: "Apple verschwindet nicht aus Europa, nur weil der Euro verfällt." Denn für viele Konzerne sei Europa längst viel zu wichtig geworden. Von den Gewinnen der Unternehmen im marktbreiten Index S&P-500 stammen 40 % aus Operationen im Ausland, auch in Europa. Die Rechnung ist demnach einfach: Wenn der Euro verfällt, verfallen die Erträge dieser US-Konzerne. Die Währungseinbußen mit zusätzlichem Geschäft auszugleichen, ist wegen des harten Wettbewerbs fast unmöglich.

Die Krise in Nahost erhöht den Druck

Zum ersten Mal hat mit Coca-Cola nun ein großer US-Konzern mit bedeutenden Interessen in Europa auf die Gefahren des starken Dollar hingewiesen. Inzwischen belkommen auch die Auto-Konzerne aus Detroit die verstärkte Konkurrenz durch europäische Hersteller zu spüren: Sie verlieren Marktanteile in Europa oder können ihre Produkte nur noch mit teuren Rabatten absetzen.

Auf der politischen Bühne der Hauptstadt Washington werden die Sorgen der Manager über den starken Dollar noch nicht wahrgenommen. Kongress und Regierung sonnen sich im weltweiten Respekt vor dem "Greenback". Finanzminister Lawrence Summers, ehemals Wirtschaftsprofessor und für seinen scharfen Intellekt gerühmt, meinte noch 1998, dass die Zukunft des Wechselkurses zwischen Dollar und Euro eher von der US-Politik als von den Europäern entschieden werde. Doch inzwischen erinnert die Situation an die für die US-Wirtschaft fatale Lage Mitte der achtziger Jahre. Während der Präsidentschaft Ronald Reagans war der Dollar Anfang 1985 auf 3,47 DM gestiegen. Damals explodierten die US-Exportdefizite, Washington musste die G-7-Partner ersuchen, den Dollar zu drücken.

Heute verschärft auch noch die Krise in Nahost die Lage: Der Dollar wird Fluchtwährung. Die US-Notenbank, die es eigentlich wissen müsste, schweigt noch. Zwar hat sie sich kürzlich an den Interventionen zu Gunsten des Euro beteiligt, aber wohl nicht mit ganzem Herzen.

Allerdings hat Notenbank-Chef Alan Greenspan die Konsequenzen aus der Dollar-Stärke in seine Konjunkturrechnungen einbezogen. Wenn die ohnedies nicht besonders gute Position der US-Wirtschaft im Export weiter ausgehöhlt werde, müssten Hoffnungen auf zusätzliches Wachstum zurückgeschraubt werden. Aber solche komplizierten Rechnungen sind der amerikanischen Öffentlichkeit vor Wahlen kaum zu vermitteln.

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