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Politik ist nicht rund

Ein Fußball mit der Unterschrift von Joschka Fischer? Gebote werden von den Grünen angenommen. Ansonsten lassen die Wahlkampfstrategen der Parteien die Fußball-WM als Thema brach liegen. Die Gefahr ist zu groß, sich im Wahlkampf das Image des Verlierers anzuhaften. 1994 noch hatte Helmut Kohl sich den Ruhm der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA und die Popularität von Berti Vogts zunutze machen wollen. Deutschland flog allerdings im Viertelfinale nach einem wenig rühmlichen Turnier gegen Bulgarien raus. 1998 schied die deutsche Elf dann im Viertelfinale gegen Kroatien aus. Aus solchen Erfolgen lässt sich für Wahlkampfstrategen wenig Kapital schlagen.

Heute könnte Bundeskanzler Schröder bereits froh sein, wenn Deutschland die Vorrunde überhaupt übersteht. Beißt sich die Völler-Elf sogar bis ins Viertelfinale oder weiter durch, dann würde der Stolz im Wahlvolk vielleicht dazu führen, im September auf Altbewährtes zu setzen. Und das wäre im jetzigen Fall Bundeskanzler Gerhard Schröder, der auch noch werbewirksam auf eine aktive Zeit als Kicker zurückblicken kann. Aber wahrscheinlich verfolgen die deutschen Nationalkicker das Halbfinale längst wieder zu Hause im Fernsehsessel.

Eigentlich müsste Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber seinem Sportlerherz einen Ruck geben und sich ein frühes Ausscheiden der deutschen Nationalkicker wünschen. Dann würden frustrierte Fußballfans im September vielleicht noch eher für einen Wechsel stimmen. Der Herausforderer, der Fußball als seine zweite große Leidenschaft neben der Politik bezeichnet, könnte sich als Alternative anbieten. Aber natürlich tritt Stoiber nicht als Vaterlandsverräter auf, und deswegen sieht er Deutschland klar auf dem Weg ins Achtelfinale.

Bei seinem ersten WM-Tipp langte Stoiber allerdings kräftig daneben. Mit 2:0 hätte Weltmeister Frankreich den Turnierneuling Senegal vom Platz fegen sollen, tippte Stoiber, nachzulesen auf seiner Homepage. Es kam bekanntlich anders. Fußball ist ebenso unberechenbar wie die Stimmung im Wahlvolk. Da kann die SPD von Glück reden, doch noch den vielzitierten Satz aus dem Wahlprogramm gestrichen zu haben, der da lautete: Deutschland wird Fußball-Weltmeister.

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