Politiker befürchten großen Schaden für die Region
Kieler Notfallplan für Mobilcom

Das Wirtschaftsministerium in Kiel will Mobilcom offenbar helfen, wenn sich France Télécom als Großaktionär zurückziehen sollte. Damit soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

lip HAMBURG. Das Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein arbeitet offenbar an einem Notfallplan für die Büdelsdorfer Mobilcom AG. Die Kieler Landesbank soll bei einem Ausstieg des Großaktionärs France Télécom kurzfristig als Partner des norddeutschen Mobilfunkunternehmens einspringen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Landesregierung. Entsprechende Überlegungen sollen bereits am Mittwoch zwischen dem Mobilcom-Vorstandsvorsitzenden und Hauptaktionär, Gerhard Schmid, und dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister, Bernd Rohwer, erörtert worden sein.

Ein Sprecher von Mobilcom und das Landeswirtschaftsministerium in Kiel wollten diese Pläne nicht kommentieren. Der Aktienkurs von Mobilcom sackte am Donnerstag im Tagesverlauf um mehr als 5 % auf 12,80 Euro ein.

Auslöser für die Gespräche auf Landesebene ist der Vorstoß der französischen Regierung, die mehr als 50 % der France-Télécom-Anteile besitzt. Die Regierung hat den Telekomkonzern nach Informationen aus Unternehmenskreisen aufgefordert, das Engagement bei Mobilcom zu beenden und so eine höhere Verschuldung zu verhindern (Handelsblatt vom 28. Februar 2001). France Télécom ist mit 28,5 % an der am Neuen Markt notierten Mobilcom AG beteiligt.

Der französische Konzern und der deutsche Mobilfunkanbieter streiten seit mehr als einer Woche offen über die Interpretation der zwischen den Unternehmen geschlossenen Vereinbarungen für das deutsche UMTS-Mobilfunkgeschäft. France Télécom will in den nächsten Jahren möglichst wenig in die UMTS-Technik investieren. Mobilcom plant indes einen möglichst schnellen Marktstart und will bis 2005 etwa 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren.

Mit Sorge betrachtet der Bürgermeister von Büdelsdorf, Jürgen Hein, den möglichen Rückzug des französischen Konzerns. Er befürchtet eine "regionalpolitische Katastrophe", wenn Mobilcom durch den Ausstieg der Franzosen Pleite gehen sollte. Damit wären 2 000 Arbeitsplätze bei dem Telekomunternehmen sowie weitere Stellen bei zahlreichen Zulieferbetrieben gefährdet. Mobilcom beschäftigt bundesweit rund 6 000 Menschen.

Uwe Eichelberg, Leiter der Arbeitskreises Wirtschaft der CDU-Fraktion in Kiel, geht noch weiter: Sollten die Büdelsdorfer durch die Auseinandersetzung mit France Télécom zusammenbrechen, würde ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden entstehen: So könnte ein anderer Konzern Mobilcom zu einem Spottpreis übernehmen und die aus dem Geschäft mit der neuen Mobilfunklizenz UMTS anfallenden Milliarden-Verluste gegen eigene Gewinne verrechnen. "Damit könnte ein Übernahmekandidat die Verluste erneut abschreiben, was dem Bund und Land erhebliche Steuerausfälle verursachen würde", erklärt Eichelberg. Er fordert deshalb die Unterstützung der Bundesregierung.

Inzwischen haben in dem Streit zwischen France Télécom und Mobilcom auch die Rechtsanwälte das Nachsehen: Danach ruht inzwischen das Mandat der auf Fusionen und Übernahmen spezialisierten, internationalen Rechtsanwaltskanzlei Freshfield, Bruckhaus & Deringer, die unter anderem einen Teil der Vereinbarungen zwischen Mobilcom und France Télécom für den Aufbau des UMTS-Netzes vertraglich festgezurrt hat. Auslöser sei eine "Interessenkollission".

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