Politiker machen Banken mitverantwortlich
Alle 15 Minuten eine Insolvenz

Angesichts der Pleitewelle in Deutschland haben Politiker das Verhalten der Banken am Wochenende scharf kritisiert. Die Banken müssten sich eine Mitverantwortung für die steigende Zahl von Insolvenzen anheften lassen.

WiWo/ AP/Frankfurt/Main. Angesichts der Pleitewelle in Deutschland haben Politiker das Verhalten der Banken am Wochenende scharf kritisiert. Die Banken müssten sich eine Mitverantwortung für die steigende Zahl von Insolvenzen anheften lassen, erklärte FDP-Vizechef Rainer Brüderle am Samstag.

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) meldet rechnerisch alle 15 Minuten ein kleines oder mittelständisches Unternehmen in Deutschland Pleite an; pro Tag gingen dadurch im Schnitt 1.500 Arbeitsplätze verloren. Dies wolle in der Politik jedoch anscheinend niemand wahrhaben, kritisierte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke in der "Berliner Zeitung".

Bereits im vergangenen Jahr habe der Mittelstand mit 32.000 Unternehmensinsolvenzen einen Pleiterekord verzeichnet, sagte Nitschke. Für wachsenden Druck sorge das Verhalten der Banken. Diese handhabten ihre Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen immer restriktiver. "Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen erschwert sich dadurch die Unternehmensfinanzierung", betonte der Chefvolkswirt.

Die Konjunkturflaute des vergangenen Jahres lege die strukturellen Schwächen der Unternehmen gnadenlos offen. Viele Betriebe erzielten eine unzureichende Eigenkapital- und Umsatzrendite. Die Politik habe versäumt, mit Sozialreformen für Kostenentlastung zu sorgen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Matthias Wissmann forderte in der "Bild am Sonntag": "Die Banken müssen ihrer Verantwortung nachkommen und die Existenz von zahlreichen Arbeitsplätzen nicht durch voreiliges Einfrieren von Krediten gefährden".

In der gleichen Zeitung verurteilte Brüderle besonders scharf die Kreditvergabe der Banken gegenüber dem Mittelstand. Kleinen und mittleren Unternehmen werde unsolides Wirtschaften vorgeworfen und eine Verschärfung der Kreditanforderungen angedroht. Bevor die Vorstände großer Banken solche Töne anschlagen, sollten sie erst einmal den teilweise selbst angerichteten Scherbenhaufen bei den Großpleiten aufkehren". In ihrer Mehrfachrolle als Geschäftspartner, Kreditgeber und Kontrolleur hätten sie kläglich versagt.

Brüderle forderte in diesem Zusammenhang, die Dauerbeteiligungen an Banken an branchenfremden Unternehmen auf zehn Prozent des Kapitals der Firmen zu begrenzen oder punktuelle Stimmverbote von Bankenvertretern in Aufsichtsräten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf über 32.000 gestiegen. Davon waren etwa 50 Pleiten von Großunternehmen.

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