Politiker nehmen ebenfalls teil
Demo gegen Rechtsextremismus - Bundestag unterbricht Sitzung

Mit Gedenkstunden und Kranzniederlegungen haben Politiker und Bürger am Donnerstag in vielen Städten Deutschlands an die Pogromnacht 1938 erinnert, als Nazis Synagogen anzündeten und plünderten.

dpa BERLIN. Wenige Stunden vor einer Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und rechte Gewalt in Berlin forderte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, ein deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Die Mehrheit der Deutschen sei gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus, sagte Spiegel im Westdeutschen Rundfunk (WDR).

Zum ersten Mal seit acht Jahren nimmt die politische Spitze der Bundesrepublik an einer Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit teil. Zu der von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragenen Veranstaltung werden bis zu 100 000 Teilnehmer in der Hauptstadt erwartet. Bundespräsident Johannes Rau und Spiegel sind die Redner der Kundgebung am Brandenburger Tor. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und mehrere Minister sowie die Vorsitzenden aller im Parlament vertretenen Parteien wollen auf die Straße gehen. Die Demonstration beginnt am Nachmittag mit einer Gedenkzeremonie an der Neuen Synagoge.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hofft, dass von den Protesten ein überzeugendes Signal ausgeht. Im Deutschlandfunk betonte er, dass die Bürger durch ihre Teilnahme zeigen könnten, dass sie Demokratie, Humanität und Toleranz selbst verteidigen. Um den Abgeordneten die Teilnahme an der Manifestation zu ermöglichen, beendet der Bundestag seine Sitzung frühzeitig.

Als Zeichen gegen Rechtsextremismus hat der Verein "Aktion Sühnezeichen" vor der Synagoge in Berlin-Kreuzberg mit einer zweitägigen Mahnwache begonnen. Der bayerische Landtag gedachte in einer Gedenkstunde der Opfer der Pogromnacht vor 62 Jahren. Der 9. November 1938 sei eines der schlimmsten und beschämendsten Daten der deutschen Geschichte, sagte Landtagspräsident Johann Böhm (CSU). Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die ermordeten Juden der Stadt Aurich hat Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) an die Opfer der NS-Herrschaft erinnert

SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte dem "Berliner Kurier", die Demonstration sei "der Aufstand der Anständigen". Ein Beitrag der Politik zum Kampf gegen Rechts sei aber auch ein "Verbotsantrag in Sachen NPD".

Gedenkveranstaltungen sind unter anderem in der Frankfurter Paulskirche, in Mainz, Schwerin, Rostock, Stuttgart, München, Mannheim, Waldshut, Bochum, Essen, Duisburg und Magdeburg geplant. In Düsseldorf, wo vor wenigen Wochen ein Brandanschlag auf die Synagoge für Empörung gesorgt hatte, sind eine Gedenkstunde und ein Schweigemarsch vorgesehen.

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