Politiker stand schon öfter in der Kritik
US-Finanzminister kündigt überraschend Rücktritt an

US-Finanzminister Paul O'Neill hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde in den kommenden Wochen sein Amt zur Verfügung stellen, kündigte er in Washington an. Der überraschende Schritt ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen auf Bitte des US-Präsidalamts geschehen. Auch der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lawrence Lindsey, nimmt seinen Hut.

dpa/vwd/rtr WASHINGTON. Einzelheiten wurden in den Kreisen nicht genannt. Das US-Präsidialamt erwägt seit einiger Zeit einen größeren Umbau seines Wirtschaftsstabs. Wie eine Sprecherin zuvor mitgeteilt hatte, werde der Rücktritt in den kommenden Wochen wirksam.

Außerdem wurde aus Kreisen des US-Präsidialamtes bekannt, dass nach O'Neill auch der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses sein Amt niederlegen will. "Larry Lindsey hat beim Präsidenten seinen Rücktritt eingereicht, um Angelegenheiten außerhalb der Regierung wahrzunehmen", hieß es in den Kreisen.

Beobachter erklärten die personellen Veränderungen mit den im Weißen Haus offenbar wachsenden Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung in den USA. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten zu einem Problem für die Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush werden, hieß es.

An den Finanzmärkten reagierte der Dollar kurzzeitig mit Kursverlusten auf den Rücktritt O'Neills, während an den US-Börsen nach den beiden Rücktritten die Kurse anzogen. Analysten äußerten allerdings die Einschätzung, dass die Nachricht keine starken und nachhaltigen Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben werde. In O'Neills zweijähriger Amtszeit hatten Kritiker wiederholt dessen Eignung als oberster Repräsentant der US-Wirtschaft angezweifelt.

Nach Einschätzung des Investment-Strategen Johnson war es O'Neill als Finanzminister nicht gelungen, das Vertrauen in die US-Wirtschaft zu stärken. "Daher ist es wahrscheinlich eine gute Idee, dass er geht", sagte Johnson. Ein anderer Volkswirt äußerte die Einschätzung, dass die US-Regierung nun aggressivere Schritte zur Stimulierung der US-Wirtschaft vornehmen werde. O'Neill sei in dieser Hinsicht eher zurückhaltend gewesen.

O'Neill nannte in einem Brief an Präsident George W. Bush nannte keinen Grund für seine überraschende Entscheidung. Der Finanzminister ist damit das erste Mitglied des Kabinetts von Bush, das seinen Rücktritt einreicht.

Wie das US-Finanzministerium mitteilte, wird O'Neill nach Pittsburgh zurückkehren und dort eine Tätigkeit aufnehmen. Der Brief an den Präsidenten datiert den Angaben zufolge auf den heutigen Freitag. O'Neill hatte für das Amt des Finanzministers den Posten des Vorsitzenden von Alcoa aufgegeben, das größten Aluminiumherstellers der Welt.

"Es war eine Auszeichnung, der Nation in diesen herausfordernden Zeiten zu dienen", erklärte O'Neill in einem Schreiben an Bush. "Ich danke Ihnen für diese Möglichkeit."

O'Neill war bereits im Verlauf dieses Jahres häufiger in die Kritik geraten, verglichen mit Vorgängern wie James Baker oder Robert Rubin galt er als Leichtgewicht. Darüber hinaus hatte er bei einigen Aussagen in den vergangenen Monaten vielfach eine unglückliche Figur gemacht. Einige Beobachter hatten deswegen bereits im Spätsommer darüber spekuliert, dass O'Neill nach den US-Kongresswahlen zum Rücktritt gedrängt werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%