Politiker streiten um T-Aktie
FDP schlägt T-Aktien zum Sonderpreis für geschädigte Anleger vor

Der Einbruch der T-Aktie verunsichert Anleger wie Politiker. Der Kurs notiert fast dort, wo 1996 der Höhenflug begann. Erstzeichner denken an Verkauf, Politiker an Hilfsaktionen.

sm/HB BERLIN. Das Kursdesaster der Telekom-Aktie ruft die Politik auf den Plan. Das angeschlagene Vertrauen in die Aktie soll wiederhergestellt werden. Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle fordert daher, der Bund solle seine Anteilsscheine "den gebeutelten Aktionären als Wiedergutmachung der Verluste und zur Förderung der Aktienkultur zu Vorzugskonditionen abgeben".

Viele T-Anleger sitzen bereits auf dicken Verlusten. Selbst Erstzeichnern droht dies nun, nachdem der Kurs am Freitag unter 19 Euro gefallen ist und nur knapp darüber geschlossen hat. FDP-Politiker Brüderle verlangte gegenüber dem Handelsblatt, es müssten insbesondere diejenigen begünstigt werden, die bei der dritten Tranche der Telekom-Privatisierung 66,50 Euro für die T-Aktie bezahlt haben. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wies dies zurück. "Man kann auf solche Börsensituationen nicht mit Bonus-Geschenken reagieren. Das weiß auch Herr Brüderle", sagte ein Sprecher Eichels dem Handelsblatt.

Der FDP-Politiker sieht das anders. "Die Menschen haben dem Staat als Verkäufer von Aktien besonders vertraut. Deshalb muss er einen Beitrag leisten, das angeschlagene Vertrauen wiederherzustellen" Der Staat sollte auch seine Anteile veräußern, um den Konflikt zwischen Eigentümerinteressen und Regulierungsaufgaben aufzulösen. Die Regierung müsse aufhören, diese Zwitterrolle zu spielen.

Der Bund besitzt noch ein knappes Drittel der Telekom-Aktien selbst. Weitere gut 12 % sind bei der überwiegend bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geparkt. Diese seien durchschnittlich mit rund 16 Euro bewertet. Trotz des aktuellen Kursverfalls "stellt sich die Frage nach einer Wertberichtigung nicht", erklärte ein KfW-Sprecher dem Handelsblatt. "Konkrete Überlegungen über den Verkauf dieser Anteile gibt es nicht, im derzeitigen Börsenumfeld schon gar nicht", fügte der KfW-Sprecher hinzu. Auch Eichel hat nach den Worten seines Sprechers "derzeit keine Pläne" für weitere Privatisierungen von Telekom - oder Post-Aktien. Darüber werde frühestens im Oktober entschieden, wenn eine neue Konjunkturprognose vorliege. Bis dahin soll auch der Weg für weitere Verkäufe von Post-Aktien frei gemacht werden.

Neben einem Börsengang sind weitere Veräußerungen an die KfW denkbar. Der Finanzminister hatte sich so in der Vergangenheit Privatisierungseinnahmen verschafft, wenn die Börse schlecht lief.

Telekom-Chef Ron Sommer drohte unterdessen der Deutschen Bank Konsequenzen an, weil das Institut ein dickes Aktienpaket verkauft hatte. Dem "Spiegel" sagte er, die Transaktion werde juristisch geprüft. Bei der Telekom sei in nur wenigen Tagen ein Wert von fast 40 Mrd. DM vernichtet worden. "Große Finanzinstitute" hätten eine Verantwortung gegenüber den Unternehmen und dem Markt. Aktionärsschützer warfen der Deutschen Bank vor, sie habe der Aktienkultur einen Bärendienst erwiesen.


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