Politiker und Umweltschützer sehen historischen Durchbruch
Erleichterung über Kompromiss des Klimagipfels

Als historischen Schritt haben Politiker und Umweltschutzverbände die Einigung auf dem Bonner Weltklimagipfel begrüßt.

ap FRANKFURT. In die Erleichterung über den Durchbruch mischte sich aber auch Kritik an dem "äußerst niedrigen Niveau" des Kompromisses, wie es die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Montag formulierte. Die Umweltverbände Greenpeace, BUND, NABU und WWF sprachen von einem bitteren Beigeschmack. Übrig geblieben sei nur noch "Kyoto light", kritisierte Greenpeace-Sprecher Kasten Smid.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul würdigte die Einigung als großen Erfolg, der den Entwicklungsländern die "Riesenchance des Technologietransfers" biete. Sie könne auch für die Entwicklung erneuerbarer Energien genutzt werden. Die starre Haltung der USA, das Protokoll von Kyoto nicht zu ratifizieren, sei sehr kurzfristig gedacht, monierte die SPD-Politikerin.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) kritisierte eine `bedenkliche Verwässerung der Klimaschutzziele". Entscheidend sei aber, dass die Staatengemeinschaft Klimaschutzprozess festhalte und die Politik der Verweigerung einzelner Staaten gescheitert sei, sagte der WBGU-Vorsitzende Hartmut Graßl. Das Verhandlungsergebnis sei zu begrüßen, weil nun das Abkommen von Kyoto in Kraft treten könne.

Auch der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Paziorek, betonte im Radiosender F.A.Z. 93.6 Berlin, wichtig sei, dass der Kyoto-Prozess völkerrechtlich überhaupt weitere gehe. Dennoch stelle sich die Frage, ob man dieses Ergebnis nicht bereits vor einem Jahr auf dem Klimagipfel in Den Haag hätte erreichen können.

Bundestag soll Kyoto-Protokoll zügig ratifizieren

Die Grünen riefen den Bundestag auf, jetzt zügig das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren. Sicher enthalte das Abkommen einzelne Schwachpunkte. Aber insgesamt sei es ein tragfähiger Kompromiss, sagte der umweltpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Loske.

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Birgit Homburger, sprach von einem `guten Tag für die Zukunft der jungen Generation". Ein Scheitern der Konferenz wäre eine Katastrophe für den internationalen Klimaschutz gewesen.

"Löchrig wie ein Schweizer Käse"

Greenpeace-Sprecher Smid kritisierte: "Das Kyoto-Protokoll ist löchrig geworden wie ein Schweizer Käse." Das Abkommen sei jetzt voll von Schlupflöchern, durch die die Industriestaaten die Reduzierung des Schadstoffausstoßes umgehen könnten. Dennoch sei der Konsens ein historischer Schritt, mit dem ein neues Kapitel des internationalen Klimaschutzes aufgeschlagen werde.

Von einem "ersten, aber leider unzureichenden Schritt" sprach der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der Verband kritisierte vor allem, dass die Reduktionsziele von Kyoto so extrem verringert worden seien, dass lediglich der Anstieg der Treibhausgasemissionen gebremst werden könne.

Der Worldwide Fund for Nature (WWF) monierte, dass Japan, Australien, Kanada und Russland fast jeder Wunsch von den Augen abgelesen worden sei. Dennoch sei ein Debakel abgewendet worden: "Das Gerüst steht, die Ziele müssen nach und nach verschärft werden."

Der Naturschutzbund NABU würdigte vor allem das Engagement der Europäer. Sie seien die treibende Kraft der Klimakonferenz gewesen und sollten weiterhin ihrer Vorreiterrolle gerecht werden.

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