Politiker werten Vorfall als "schlimm und alarmierend"
Bombendrohung gegen Lübecker Synagoge

Die Lübecker Synagoge ist erneut zum Zielpunkt einer kriminellen Attacke geworden. Auf dem Gelände des Gebetshauses wurde am Montagabend ein verdächtiger Koffer entdeckt.

ddp LÜBECK. Sicherheitskräfte gingen zunächst davon aus, dass es sich um Sprengstoff handeln könnte. Zuvor hatte sich ein anonymer Anrufer bei der Polizei gemeldet und einen Bombenanschlag angedroht. Der Koffer erwies sich später allerdings als Attrappe. Politiker in Lübeck und Berlin reagierten bestürzt auf den Vorfall. Zu den Hintergründen des Anschlags lagen am Dienstag noch keine Erkenntnisse vor. Der Staatsschutz nahm die Ermittlungen auf.



Der Vorfall sei "höchst beunruhigend und alarmierend", sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Es werde jetzt mit der Polizei überlegt, den Objektschutz für das Gebetshaus weiter zu verbessern. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sprach von einem "schlimmen" Vorgang.



Eine Polizeistreife hatte am Montagabend gegen 18.00 Uhr auf dem Gelände der Synagoge in einem Gebüsch einen verdächtigen Koffer entdeckt. Aus diesem ragten Drähte hervor, es blinkte eine Lampe. Rund 50 Anwohner der angrenzenden Altstadtstraße in Lübeck sowie Menschen, die sich in der Synagoge befanden, wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Experten des Kieler Munitionsräumdienstes beschossen den Koffer mit einem Wasserstrahl und transportierten ihn anschließend nach Kiel. Die dortige Untersuchung bestätigte, dass es sich lediglich um eine Bombennachbildung handelte.



Nicht zum ersten Mal Ziel eines Anschlags



Die Lübecker Synagoge ist nicht zum ersten Mal Ziel eines politisch motivierten Anschlags. 1994 warfen vier rechtsradikale junge Männer mehrere Molotow-Cocktails in ein Seitengebäude des Gebetshauses. Es war der erste Brandanschlag auf ein jüdisches Gotteshaus seit dem Ende des Nationalsozialismus. 1995 brannte nach einem weiteren Anschlag ein Anbau des jüdischen Gebetshauses vollständig aus. Verhaftet wurde ein 27-jähriger, geistig behinderter Mann.



Seit 1994 steht die Synagoge unter ständigem Polizeischutz. Bürgermeister Saxe sagte, es sei bedenklich, dass jüdische Einrichtungen "wie Hochsicherheitstrakte" geschützt werden müssten. Er rief die Bürger der Stadt auf, wachsam zu bleiben. Bundesinnenminister Schily sagte in Mainz, solche Anschläge seien schlimm, weil sie mit entsprechender Öffentlichkeitswirkung verbunden sind. Er fügte hinzu: "Wenn man Brandspuren auf einer Synagoge sieht, kann man sich denken, welche Bilder hochkommen."

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