Politiker wollen ihn trotz Absage als Kommissionschef
Neues Werben um Jean-Claude Juncker

Einen Tag nach der Europawahl haben die Konservativen ihren Anspruch auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten unterstrichen. Und vor allem deutsche Politiker bringen dabei wieder einen Kandidaten ins Spiel, der eigentlich bereits abgesagt hat - den konservativen luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker. Schließlich hat dieser am Sonntag seine Wahlen mit einem eindrucksvollen Stimmenzuwachs gewonnen.

ink/mth/jh/sce BERLIN/BRÜSSEL. "Juncker wäre ein idealer Kandidat und sollte von den EU-Staats- und Regierungschefs erneut gefragt werden", sagte etwa Matthias Wissmann, Vorsitzender des Europaausschusses des Bundestags, dem Handelsblatt. Denn bisher ist vorgesehen, dass der EU-Gipfel diese Woche nicht nur die Verfassung beschließen, sondern auch den EU-Chefposten besetzen soll. Und in Berlin erhält Wissmann für seine Position parteiübergreifend Zustimmung: "Die Staats- und Regierungschefs sollten vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses auf Juncker zugehen, weil er ein starker Mann an der Spitze der Kommission wäre", meint auch Gerhard Gloser, europapolitischer Sprecher der SPD.

Grund für die erneute Debatte um Juncker ist die informelle Absprache der 25 EU-Regierungen, dass die Wahl des künftigen EU-Kommissionspräsidenten das Ergebnis der Europawahl berücksichtigen soll. Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sprach sich deshalb bereits gegen einen sozialistischen oder liberalen Kommissionspräsidenten aus. Der Fraktionschef der konservativen EVP, Hans-Gert Pöttering, lehnte auch den bisherigen Favoriten im Rennen um den höchsten EU ab, -Posten Belgiens liberalen Regierungschef Guy Verhofstadt.

Dieser wird etwa von der deutschen wie der französischen Regierung nach der Juncker-Absage favorisiert. Frankreich und Deutschland wollen einen gemeinsamen Kandidaten unterstützen. Dies bekräftigten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac gestern Abend nach einem Treffen im Aachener Rathaus. "Ich glaube, dass der irische EU-Vorsitz am Donnerstag einen Vorschlag unterbreiten wird, der eine breite Mehrheit findet", sagte Schröder. Laut Berliner Regierungskreisen sei die Tatsache, dass Verhofstadt nicht der größten Partei des neuen EU-Parlaments angehöre, kein Problem.

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