Politisch delikate Kapitalverflechtung für US-Autohersteller
GM geht zu neuem Fiat-Aktionär Lafico auf Distanz

General Motors (GM) geht auf Distanz zum neuen Fiat-Großaktionär Lafico. "Das libysche Unternehmen steht auf einer Kontrollliste des US-Außenministeriums", bestätigte ein Sprecher der GM-Europazentrale in Zürich. Für den amerikanischen Automobilkonzern bedeute das, dass GM keine Geschäftsbeziehungen zu Lafico aufnehmen dürfe.

zel/mab DÜSSELDORF/MAILAND. Es sei auch nicht anzunehmen, dass die Lafico-Beteiligung an Fiat zwangsläufig zu einer Annäherung zwischen GM und der libyschen Staatsholding führen werde. Doch General Motors werde die Situation "im Auge behalten". Der US-Hersteller hält seit knapp zwei Jahren 20 % an der Automobilsparte des italienischen Konzerns. Die libysche Staatsholding Lafico aus dem Einflussbereich von Staatspräsident Muammar Gaddafi hatte vor wenigen Wochen für 145 Mill. Euro knapp 2,3 % der Fiat-Anteile erworben.

Über seine deutsche Tochtergesellschaft Opel arbeitet GM seit fast zwei Jahren intensiv in der Fahrzeugentwicklung mit Fiat zusammen. Beide Unternehmen produzieren gemeinsam Motoren und haben außerdem in Europa ihren Einkauf zusammengelegt. GM erwartet im Alltagsgeschäft mit Fiat keine Probleme durch die Lafico-Beteiligung. Die libysche Staatsholding habe sich beim Fiat-Konzern eingekauft, GM besitze im Gegensatz dazu nur Anteile an der Fiat-Autosparte (20 % GM, 80 % Fiat-Konzern). Für die GM-Beteiligung an der Autosparte hatte Fiat im Gegenzug knapp 6 % der Aktien von General Motors erworben. Nach dem Kauf der Fiat-Konzernaktien ist die libysche Staatsholding Lafico damit indirekt auch an dem US-Autohersteller beteiligt.

Fiat sieht keine Probleme durch das Engagement von Lafico. "Die Libyer haben immer schon gute Geschäfte mit uns gemacht", sagte Vorstandschef Paolo Cantarella. Auch die Fiat-Gründerfamilie Agnelli steht zu den Libyern. "Das Land hat nichts mit fundamentalistischen Staaten zu tun und bemüht sich, gute Beziehungen zu den USA aufzubauen", betonte Gianni Agnelli.

Lafico ist in der Turiner Fiat-Zentrale kein Unbekannter. Zwischen 1976 und 1986 war die libysche Holding schon einmal am italienischen Großkonzern beteiligt. Die Libyer hielten damals 15 % der Aktien und stellten zwei Mitglieder des Fiat-Verwaltungsrates. Als Folge wurde der Konzern in den USA geächtet; bei staatlichen Aufträgen blieb Fiat außen vor. Wegen der politischen Probleme sicherte sich die Gründerfamilie Agnelli deshalb mit Hilfe von Großbanken 1986 wieder die libyschen Anteile.

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