Politische Kosten hindern in Deutschland notwendige Umbauarbeiten in Unternehmen
Restrukturierungs-Storys: Auf das Timing kommt es an

Mit Umstrukturierungen ist das so eine Sache: Jeder Manager will sie vorantreiben, um deren Früchte zu ernten, aber kaum jemand möchte zuvor den Kopf dafür hinhalten.

Zwar ist ein Unternehmen nach dem Umbau meist besser für den Wettbewerb gerüstet. Aber der Weg dahin ist schmerzhaft und umfangreiche Entlassungen sind meistens obligatorisch.

Mit dieser Art von Story Geld am Aktienmarkt zu verdienen, erweist sich deshalb in vielen Fällen als ausgesprochen schwierig. "Europa bietet beispielsweise ein großes Umbaupotenzial. Die Betonung liegt aber auf Potenzial", so der Stratege eines Investmenthauses. Immer wieder finde man unter europäischen Firmen anfänglich hoch gehängte Umstrukturierungsgeschichten wie etwa bei Philips oder Siemens, die dann aber am Ende enttäuschten, sagt Gavin Corr, Anlage-Experte bei Morley Fund Management. "Entweder ist der Umbau nicht radikal genug, oder das frei werdende Kapital wird wieder in Marktsegmenten eingesetzt, wo es sowieso schon zu viel Kapital gibt - etwa im Technologie- oder Telekommunikationsbereich."

Allerdings gibt es auch positive Beispiele: Vodafone etwa. Mit der klaren Strategie, in jedem seiner Märkte die Nummer eins oder mindestens die zwei zu werden, hat das britische Mobilfunkunternehmen vor kurzem den Kauf von Cegetel über die Bühne gebracht - und ist von Investoren und Analysten fast einhellig dafür gelobt worden.

Viele Anlageexperten sehen denn auch recht gute Anlagechancen, wenn es dem Anleger gelingt, gelingt, in Schwierigkeiten geratene Unternehmen auszumachen, die auf der einen Seite rigorose Anpassungen vornehmen. Auf der anderen Seite sich aber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dazu zählt Gavin Corr die Telekommunikationskonzerne KPN und Ericsson sowie den Finanzdienstleister Zurich Financial Services.

Der Schlüssel, so Corr, liege in der Wahl des richtigen Zeitpunktes: "Wenn es ganz düster aussieht und der Kurs am Boden liegt, sich die wichtigen Geschäftsbereiche aber bereits stabilisieren, ist der Moment gekommen einzusteigen." Die besten Chancen für eine erfolgreiche Umstrukturierung weisen in Europa britische Unternehmen auf, meint Hugh Hendry, Partner bei Odey Asset Management. Anders als auf dem Kontinent seien die britischen Arbeitsschutzgesetze viel flexibler. Folge: "Die politischen Kosten, in Europa Leute zu entlassen sind so groß, dass es einfach nicht gemacht wird." Als Folge gingen Unternehmen auf dem Kontinent immer größere Risiken ein, um ihren Umsatz zu steigern und gerieten dadurch entsprechend oft in Schwierigkeiten. Man betrachte etwa die Banken in Deutschland, die durch ein zu großes Filialnetz belastet werden. Die amerikanische oder britische Reaktion wäre es, die Zweigstellen zu schließen und beispielsweise ein Café daraus zu machen oder sie gleich zu verkaufen. Aber das wäre zu teuer für eine deutsche Bank. "Statt dessen vergeben sie Kredite in den riskantesten Bereichen", sagt Hendry. "Wenn etwas schief geht, sei es in Argentinien oder bei Telekom-Anleihen, dann ist immer irgendeine deutsche Bank mitten drin."

Die starren Vorgaben auf dem Arbeitsmarkt haben in Euroland eine grundlegende Umstrukturierung verhindert. Gleichzeitig seien die Löhne alarmierend gewachsen, was die Lohnstückkosten in die Höhe getrieben und die Produktivität gesenkt hat, sagen Volkwirte. Die US-Wirtschaft habe - trotz großer Probleme - durch Stellenkürzungen eine schnelle Anpassung an das neue Konjunkturumfeld geschafft. Dadurch wurde die Produktivität kräftig gesteigert und die Rentabilität erhalten.

Experten sind sich einig, dass der Dax zuletzt wegen der mangelnden Anpassungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft 69 % gegenüber seinen Höchstständen eingebüßt hat, während der britische FTSE-Index nur 48 % verlor.

Generell zeigen sich die Investmentstrategen skeptisch gegenüber Unternehmen, die eine Generalüberholung nötig hätten. Sie schnitten in den letzten zwölf Monaten schlechter ab als der Gesamtmarkt. Dennoch hat Dresdner Kleinwort Wasserstein eine Liste der "zehn besten Selbsthilfe-Geschichten" zusammengestellt. Mit dabei: unter anderem Henkel und Siemens.

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