Politische Lösung gefordert
Blutige Konklikte in Südserbien

dpa VELIKI TRNOVAC. Eingekreist von serbischen Truppen und albanischen Rebellen ruft das Dorf Veliki Trnovac um Hilfe für eine politische Lösung des blutigen Konflikts in Südserbien. Während die serbische Polizei über neue Angriffe auf ihre Patrouillen in der Pufferzone zum Kosovo berichtet, steht der erste serbische Panzer nur 200 Meter von der von 9 000 Albanern bevölkerten Ortschaft entfernt im Feld eingegraben. Die Rebellen der UCPMB-Guerilla haben ihren Checkpoint in den Bergen eingerichtet. Dazwischen liegt der kleine Ort und "Europas letzte Front".

"Wir leben hier in Angst und wissen nicht, was morgen passieren wird", sagt Emrullah Lutfiu, Sekretär der örtlichen albanischen Partei der Demokratischen Aktion (PAD). Schießereien haben Menschenleben auf beiden Seiten gefordert, bis vor ein paar Tagen ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Jetzt wird das Dorf über Schleichwege aus dem Kosovo versorgt, während kleinere Weiler in der Pufferzone verlassen sind, weil schon 1999 ein langsamer Exodus einsetzte.

Im Kosovo-Konflikt stabil

Dabei war das Gebiet, in dem etwa 100 000 Albaner leben, während des ganzen Kosovo-Konflikts relativ stabil. "Leute, die direkt oder indirekt im Kosovo agiert und jetzt alle Privilegien verloren haben, exportierten das Problem hierher", sagt Shaip Kamberi, Vorsitzender des regionalen albanischen Rates für Menschenrechte im Raum Presevo- Bujanovac. Er meint vor allem die abgezogene Kosovo-Polizei, die jetzt mit Brutalität gegen die albanische Bevölkerung vorgehe.

Das Problem habe 1990 mit der Machtübernahme des inzwischen gestürzten Serben-Herrschers Slobodan Milosevic begonnen. Es gebe eine "institutionelle Diskriminierung" der Albaner, sagt Kamberi. In den Verwaltungen gebe es nur eine "symbolische Beteiligung", selbst in Orten mit albanischer Bevölkerungsmehrheit. In Staatsbehörden - wie Polizei und Justiz - seien keine Albaner mehr beschäftigt. Kamberi spricht von systematischen Kündigungen, Wahlmanipulationen und einschüchternden Vernehmungen durch die Polizei.

Guerilla trat Anfang des Jahres auf

Dann trat Anfang des Jahres die UCPMB-Guerilla auf. Nachdem im nahen Ort Konculj zwei albanische Brüder getötet worden waren, erschienen die Kämpfer nach Art der UCK-Miliz öffentlich. Der serbische Polizeikontrollpunkt dort wurde bei einem Angriff vor drei Wochen zerstört. Die Polizei zog vorerst aus der Pufferzone zum Kosovo ab.

Doch serbische Polizeieinsätze, Radikalisierung der Albaner, Einflussnahme aus dem Kosovo und wirtschaftliche Interessen in dem Gebiet - de facto ein Drei-Länder-Eck zwischen Mazedonien, Serbien und Kosovo - lassen das Presevo-Tal als Pulverfass erscheinen. Bei einer politischen Regionalisierung in einem demokratischen Serbien könnten die Forderungen der Albaner aber weitgehend erfüllt werden, meint Kamberi.

Forderung nach internationaler Präsenz

In der Region führt der Guerilla-Kommandeur "Lleshi" als Chef einer der drei Rebellen-Brigaden das Wort. Seine Männer und er haben sich in einem verlassenen serbischen Stützpunkt der Bergstraße ins Kosovo eingerichtet. Die lokalen Serben hätten die Albaner auch während des Krieges nicht angerührt, "und dafür sind wir dankbar", sagte der Rebellenführer, der schon im Kosovo gekämpft hat.

"Wir fordern unsere Rechte und eine internationale Präsenz hier. Sonst wird es keine Lösung geben", sagt "Lleshi". Es müsse Gespräche zwischen Serben und Albanern mit einer internationalen Vermittlung geben. Er warnt, auch viele seiner Kameraden der offiziell aufgelösten UCK-Miliz seien zum Kampf bereit. "Das wird hier sonst ein blutiger Krieg."

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