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Politische Ökonomie

Der wirtschaftlich handelnde Mensch hat Angst vor Veränderungen. Aus dieser jüngsten Erkenntnis der Forschung sollten Poltiker Lehren ziehen.

Wann handelt der Homo Economicus, also der Mensch in seiner Kapazität als wirtschaftlicher Entscheidungsträger, rational? Stets, argumentiert die klassische Lehre. Selten, sagen jene Forscher, die sich das Verhalten von Konsumenten genauer angeschaut haben. Jüngste Ergebnisse ihrer Arbeit könnten nicht nur klassische Wirtschaftsweisheiten auf den Kopf stellen, sondern auch erklären, warum etwa tiefgreifende Reformen - zum Beispiel jene in Deutschland - so schwer durchzusetzen sind.

Die ökonomischen Verhaltensforscher genießen spätestens seit der Verleihung des Nobelpreises an Daniel Kahneman gestiegenes Ansehen. Sie haben herausgefunden, dass Konsumenten und Investoren ihre wirtschaftliche Situation nicht absolut, sondern relativ zu anderen und den Umständen bewerten. Sie fürchten den Verlust des Status Quo mehr als sie sich Wohlstandszuwachs wünschen. Jüngste Studien unterstützt das und belegt, dass Menschen jenen Gütern eine höhere Wertschätzung beimessen, die sie schon besitzen - selbst dann, wenn neue, ihnen im Tausch offerierte Güter faktisch wertvoller sind.

Dies sind wichtige Erkenntnisse nicht nur für die Markteinführung neuer Produkte oder für die Beurteilung des Investitionsverhaltens von Anlegern - etwa am Aktienmarkt. Vor allem die Politik sollte dieses Wissen nutzen - nicht nur in diesem Winter der Reformen. Wenn Menschen dazu neigen, am Status Quo festzuhalten, dann werden sie immer weniger bereit sein, sich auf neues einzulassen, je unklarer sich das Umfeld ihres wirtschaftlichen Handelns präsentiert je kakophonisch vielfältiger und wenig nachhaltig die Alternativen erscheinen.

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