Politische Ohrfeige für Stoiber
Ohne Bierzelte an die Macht

Die CSU Oberbayern hat Kultusminister Siegfried Schneider zum Chef des größten und mächtigsten Partei-Bezirks gewählt - gegen den Wunschkandidaten und den Willen von Noch-Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der kann nun alle Hoffnung auf ein Verbleiben im Amt endgültig begraben.

MÜHLDORF. Griesgrämig und in sich zusammengesunken sitzt Edmund Stoiber auf dem Podium der Stadthalle im oberbayerischen Mühldorf am Inn. Soeben haben die 450 Delegierten der CSU Oberbayern bei ihrem Parteitag dem scheidenden Freistaats-Premier eine schallende Ohrfeige verpasst. Nun muss Stoiber seinen Traum, bei der CSU-Heerschau Ende September am Ende vielleicht doch noch den Kopf aus der Schlinge des eigenen Rücktritts ziehen zu können, endgültig begraben.

Auch über diese Chance für den Oberbayern Stoiber hatten sie in Mühldorf letztlich abgestimmt. Vordergründig ging es um den künftigen Chef des mit Abstand größten und mächtigsten CSU-Bezirks. Zur Wahl für die Nachfolge von CSU-Urgestein Alois Glück waren Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel und der selbst im Freistaat weitgehend unbekannte Kultusminister Siegfried Schneider angetreten. Schneider (51) ist der Mann für die Nach-Beckstein-Ära der CSU. "Ich stehe für einen Generationenwechsel und auch ein Stück Erneuerung", sagte Schneider vor den Delegierten. Der 60-jährige Goppel, wie Stoiber ein Mann des Landtagsjahrgangs 1974, war hingegen erklärter Favorit Stoibers.

Also hat Stoiber alles auf eine Karte gesetzt, um den Spross des legendären bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel durchzusetzen. Mit seiner Hilfe, so Stoibers Kalkül, könnte womöglich das Putschisten-Tandem Günther Beckstein (designierter Ministerpräsident) und Erwin Huber (Kandidat für den CSU-Vorsitz) vom Kurs abgebracht werden. Denn klar ist: Wer Chef der oberbayerischen CSU ist, zählt zu den entscheidenden Männern in der Partei. "Gegen einen Vorsitzenden der CSU Oberbayern läuft in der CSU nichts", intonierte der Landesgruppenchef der Partei im Bundestag, Peter Ramsauer, die wichtige Personalie. Mit einem Verbündeten Goppel an der Spitze des Bezirks hätte Stoiber vielleicht doch noch einmal Einfluss auf das Parteigeschick nehmen können. Zumindest Huber als CSU-Chef hätte womöglich verhindert werden können.

Der in Aschaffenburg geborene Goppel ist spätestens seit seiner Zeit als CSU-Generalsekretär populär an der Parteibasis. Um seinen Wunschkandidaten zu unterstützen, winkte Stoiber unentwegt mit dem Zaunpfahl. Goppel senior habe Bayern gemeinsam mit Franz Josef Strauß groß gemacht, rief der CSU-Vorsitzende den Delegierten zu. Politik müsse mit mehr als nur mit Sachargumenten betrieben werden, wandte Stoiber gegen den als farblosen Technokraten verschrieenen Schneider ein, es gehe auch um Emotionen.

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