Politische Reaktionen auf die erneute Intervention
Prodi wirbt für mehr Geduld mit der EZB

pw/HB DÜSSELDORF. Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, den Kurs des Euros mit Interventionen zu heben. Die Politik versucht derweil, die EZB mit Verweisen auf kräftiges Wirtschaftswachstum in Euro-Land zu unterstützen.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, sagte in Birmingham, die unilateralen Interventionen der EZB am Devisenmarkt seien das Risiko wert gewesen, einen Verlust der geldpolitischen Glaubwürdigkeit zu erleiden.

Prodi erklärte zugleich, "das Baby Euro wachse gut auf." Der derzeit schwache Wechselkurs werde sich wegen der guten Fundamentaldaten in der Euro-Zone ändern.

Der EU-Kommissionspräsident warb für mehr Geduld mit der EZB. Die US-amerikanische Notenbank Fed habe zwanzig Jahre gebraucht, um richtig zu funktionieren. "Wir brauchen keine zwanzig Jahre, aber geben Sie uns bitte zwei Jahre, und wir werden unseren Job machen", sagte Prodi. Er machte keine Angaben dazu, ob die Zwei-Jahres-Frist von nun an oder bereits seit dem Start des Euro Anfang 1999 laufen sollte.

Japan zu gemeinsamen Interventionen bereit

Der japanische Vize-Finanzminister Haruhiko Kuroda zeigte sich über die anhaltende Euro-Schwäche besorgt und unterstrich, Japan sei "falls notwendig" zu einer Kooperation mit der EZB bereit, um die Einheitswährung zu stützen. Dem schloss sich auch Finanzminister Kiichi Miyazawa an. Bei der jüngsten Intervention habe die EZB Japan nicht um Unterstützung gebeten.

Das deutsche Bundesfinanzministerium bekräftigte das Interesse an einem starken Euro, lehnte weitere Kommentare aber ab. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatte am Wochenende erneut auf das starke Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone verwiesen, das dem Euro-Kurs helfen werde. Eichel hatte sich überzeugt gezeigt, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone mittlerweile schneller wachse als die US-Wirtschaft.

Bundesregierung betont starkes Wachstum

Der deutsche Bundeswirtschaftsminister, Werner Müller (parteilos), hob in Berlin unterstützend hervor, der aktuelle Euro-Kurs gegenüber dem Dollar spiegele die innere Stärke der Europäischen Währung nicht wider.

Die Exporterfolge deutscher Unternehmen hingen "mitnichten allein an dem für sie günstigen Wechselkurs", sagte Müller. Immerhin hätten die Ausfuhren in die Euro-Zone nahezu genau so stark zugenommen wie in die übrige Welt, sagte Müller. "Da müssen wohl auch Qualität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Erzeugnisse mit im Spiel sein."

Der deutsche FDP-Vize Rainer Brüderle warf dagegen der Bundesregierung und den Regierungen der anderen großen Euro-Länder vor, sie ließen die EZB in deren Kampf für einen stärkeren Euro im Stich. Brüderle verwies auf ausbleibende Strukturreformen in den großen Euro- Staaten. "Die Zeit der Zinserhöhungen und Interventionen auf den Devisenmärkten muss endlich abgelöst werden durch beherztes politisches Handeln", forderte Brüderle.



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