Politische und strukturelle Fortschritte erhöhen Risikobereitschaft der Anleger
Schwellenländer-Anleihen sorgen für Furore

Anleihen aus den Emerging Markets sind eine von der Anlegerwelt bislang stark vernachlässigte Investmentform. Zu Unrecht, wie sich zeigt; denn schließlich wurden mit solchen Schwellenländer-Anleihen seit Mitte der 90-er Jahre wesentlich bessere Anlageresultate erzielt als mit Aktien von Unternehmen aus diesen aufstrebenden Staaten. "Diese Titel stellen ein echtes Alternativ-Investment zu traditionellen Anlageformen dar", sagt Jens Schmitt, Geschäftsführer von J.P. Morgan Fleming.

FRANKFURT/M. Er rät dazu, Fremdwährungsanleihen aus Schwellenländern neben hochrentierlichen Bonds von Emittenten aus Industrieländern - so genannten High-Yield- Bonds - in einem diversifizierten Wertpapierdepot eine Gewichtung von bis zu 10 % einzuräumen.

Diese Gewichtung sei durch die über viele Jahre hinweg positive Wertentwicklung der Anlageklasse gerechtfertigt. Ein Blick auf die Performance von Emerging-Markets-Bonds bestätigt diese Einschätzung. Der am Markt als Referenzgröße akzeptierte Anleiheindex EMBI, der vom Finanzhaus J.P. Morgan Chase berechnet wird, stieg im Jahr 1999 um 24,2 % und im Jahr 2000 um weitere 14,4 %. Selbst die jüngsten Krisen in Argentinien und in der Türkei bremsten die Aufwärtsbewegung der Kurse von Emerging-Markets-Anleihen nicht. Seit Ende des Jahres 2000 ist der EMBI bis dato um weitere 11,45 % gestiegen.

Doch nicht nur das: "Seit Mitte der 90-er Jahre sind Rentenwerte aus den Schwellenländern auch im Vergleich zu Aktien aus diesen Märkten die wesentlich interessantere Anlageform", sagt Schmitt. Vor allem zwei Entwicklungen sprechen nach Ansicht des Experten für diese Assetklasse: Zum einen nehme die Markttiefe zu. Zum anderen gehe die Korrelation von Schwellenländern untereinander - insbesondere in Lateinamerika - zurück. Es bestehe also die berechtigte Hoffnung, dass sowohl das Risiko eines Flächenbrandes in den Emerging Markets als auch das absolute Risiko dieser Anlageklasse abnehme.

Markt besteht zu zwei Dritteln aus neu emittierten Anleihen

"Es gibt eine Reihe von Argumenten, die dies belegen", sagt der Banker. Entscheidend sei, dass die Diversifikation innerhalb dieser Anlageklasse selbst rasch voranschreite. Die Konzentration des heute bereits Anleihen aus 30 Ländern mit einem ausstehenden Nominalwert von 250 Mrd. $ umfassenden EMBI nehme in dem Maße ab, wie neue Schwellenländer auf allen Kontinenten Fremdwährungsanleihen als Finanzierungsvehikel entdecken würden. Der Markt bestehe inzwischen zu zwei Dritteln aus neu emittierten Anleihen. Die vor vielen Jahren komplex strukturierten so genannten Brady Bonds machen heute nur noch 30 % des Marktvolumens aus.

Strukturelle Reformen in den einzelnen Schwellenländern zeigen nach Ansicht von Dominique Downes von der Banque Pictet & Cie eine ermutigende Zukunft für Emerging-Markets-Anleihen. Denn das Risiko dieser Anlageform liege vor allem in der strukturellen Verschlechterung politischer und makroökonomischer Rahmenbedingungen der einzelnen Staaten. "Der Markt hat das Krisen-Image aus seiner Entstehungszeit inzwischen abgelegt", sagt Jens Schmitt. Noch während der Mexikokrise im Jahr 1994 und den immensen Problemen Russlands 1998 wurden alle Anleihen aus den Emerging Markets von den Kapitalanlegern in einen Topf geworfen.

Doch dies ist Vergangenheit: Die potenziell wohl wesentlich schwerer wiegenden Krisen in Argentinien und in der Türkei sind am Markt für Schwellenländer-Anleihen zuletzt nur als jeweilige lokale Ereignisse gewertet worden. Die Gefahr eines Flächenbrandes wurde am Markt kaum ernsthaft diskutiert. "Offenbar haben die Anleger gelernt, die pure Emotion durch eine differenzierte realwirtschaftliche Betrachtung zu ersetzen", gibt Schmitt seine Beobachtungen wider.

Dies habe sich auch in den Spreads - der Zinsdifferenz von Emerging-Markets-Bonds im Vergleich zu US-Staatsanleihen - gezeigt. Während der Mexiko-Krise 1994 stieg der Spread zeitweise bis auf 1 920 Basispunkte. Während der Russland-Turbulenzen 1998 war immerhin noch eine Ausweitung dieser Risikokennziffer auf 1270 Basispunkte festzustellen. Derzeit liegt dieser Spread nur noch bei 891 Punkten. "Aus unserer Sicht ist dieser Spread für die Zukunft betrachtet als sehr attraktiv zu bezeichnen", rät Schmitt den Anlegern noch immer zum Einstieg in Emerging-Markets-Anleihen. Dominique Downes sieht für die nächste Zeit weitere Impulse für Emerging-Markets-Bonds wegen möglicher Heraufstufungen Russlands und Mexikos durch internationale Ratingagenturen.

Russische Fremdwährungsanleihen schossen im EMBI in den ersten fast elf Monaten 2001 mit einem Plus von 49,7 % den Vogel ab. Demgegenüber weisen argentinische Titel während dieses Zeitraums einen Verlust von 28,4 % auf. Sowohl bei J.P. Morgan Fleming als auch bei der Banque Pictet werden Investments in auf EmergingMarkets-Bonds spezialisierte Investmentfonds für Privatanleger daher als interessanteste Einstiegsmöglichkeit in diesen Markt betrachtet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%