Politischem Druck nachgegeben
Winkhaus ist Verlierer im Sommer-Theater

Warum Hans-Dietrich Winkhaus Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom ist, weiß eigentlich niemand so recht. Wahrscheinlich hat er den Posten im Mai 2000 einfach nur geerbt. Von dem Österreicher Helmut Sihler, dem der gebürtige Westfale Winkhaus schon 1992 als Vorstandsvorsitzender des Düsseldorfer Waschmittelkonzerns Henkel gefolgt war.

DÜSSELDORF. Von der Telekombranche jedenfalls hatte Winkhaus bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren wenig Ahnung. Kam etwa die Sprache auf den neuen Mobilfunkstandard UMTS, konnte es passieren, dass Winkhaus irrtümlich von UTMS redete. Ansonsten machte er seinen Job als Chefkontrolleur des magentafarbenen Konzerns aber recht ordentlich. Zumindest lenkte er den Aufsichtsrat der Telekom geräuschlos. Auch als der Kurs der T-Aktie immer tiefer in den Keller rauschte, stand er bedingungslos hinter Vorstandschef Ron Sommer: "Dem Mann", befand er, "ist wirklich nichts vorzuwerfen."

Doch vor ein paar Wochen patzte Winkhaus entscheidend: Er gab dem Druck aus dem Kanzleramt nach und rückte von Sommer ab - freilich ohne einen geeigneten Nachfolger für den Chefsessel des halbstaatlichen Konzerns in der Hinterhand zu haben.

Seitdem tobt eine öffentliche Schlammschlacht, wie sie die Republik zuvor noch nie gesehen hat. Auch Hans-Dietrich Winkhaus wurde dabei schwer beschädigt. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende hat sich von der Politik das Zepter aus der Hand nehmen lassen und anderen die Regie überlassen. Eigentlich passt das so gar nicht in das Bild, das frühere Weggefährten von ihm zeichnen. Sie beschreiben Winkhaus, der heute 65 wird, als geradlinig und korrekt. Als jemanden, der wichtige Entscheidungen nicht einfach aus einer Laune heraus trifft, sondern erst alle Argumente sorgfältig gegeneinander abwägt. Er sei grundsolide, heißt es über den Mann, der nach dem Abitur zunächst eine Banklehre macht, bevor er Betriebswirtschaft studiert. Er habe Attitüden wie ein "typischer Banker", heißt es, "vertrauenswürdig und seriös", aber auch "farblos und bieder".

Nur in einem Punkt besteht Einigkeit: "Winkhaus verfügt über eine große innere Ruhe, Stress und Hektik merkt man ihm nicht an", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Er könne total abschalten - früher beim Tennis, inzwischen immer häufiger beim Golfen.

Souverän meistert er seine öffentlichen Auftritte. Nur einmal, bei der Hauptversammlung der Telekom Ende Mai, verließ Winkhaus aschfahl und mit hängenden Schultern die Köln-Arena, in der zuvor Tausende Kleinaktionäre ihn und Sommer ausgepfiffen hatten. Das hat offenbar tiefe Spuren hinterlassen.

Aus seiner Zeit bei Henkel weiß Winkhaus, wie es ist, zwischen den Stühlen zu sitzen: Einerseits führte er ein börsennotiertes Unternehmen, andererseits musste er es der Gründerfamilie recht machen. Zwischen den Fronten steht er auch im Telekom-Aufsichtsrat. Auf der einen Seite der Großaktionär Bund, der sich nach kurzfristigen Erfolgen bei der Telekom sehnt. Auf der anderen Seite die Einsicht eines Ex-Managers, dass es gerade in der Telekombranche Jahre dauert, bis sich die Milliardeninvestitionen rentieren.

Fast sein ganzes Berufsleben hat Winkhaus bei Henkel gearbeitet. Und seine Erfolge als Vorstandschef können sich sehen lassen. Unter ihm ist Henkel enorm expandiert, auch die Rendite hat sich klar verbessert. Der Familienbetrieb wandelte sich in einen internationalen Konzern. Winkhaus selbst freilich behielt die Rolle eines fürsorglichen Patriarchen. So gab er bei Pressekonferenzen den Journalisten gerne auch eine Überschrift für ihre Texte mit auf den Weg - zum Beispiel: "Henkel klebt am Erfolg".

Welche Überschrift er wohl dem Sommer-Theater geben würde?

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