Politischer Druck zeigt Wirkung – EADS startet schwach ins neue Jahr
Europäer bauen Turbinen für neuen Militär-Airbus

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat den Auftrag zum Bau der Turbinen des Militär-Airbus A 400 M an ein europäisches Konsortium vergeben. Ursprünglich sollte der Milliardenauftrag nach Kanada gehen, daraufhin war die europäische Politik eingeschritten. EADS selbst kommt auch zu Jahresanfang nicht aus den roten Zahlen.

mwb/ink/tom/je MÜNCHEN. Im Wettstreit um den Auftrag zum Bau der Triebwerke für den Airbus-Militärtransporter A 400 M hat die AirbusMutter EADS nun doch dem europäischen Konsortium Euro Prop International (EPI) den Zuschlag gegeben. Das bestätigte EPI dem Handelsblatt. Der Entscheidung für das Milliardenprojekt war ein Monate langer Preiskampf zwischen EPI und der kanadischen Tochter des US-Unternehmens Pratt & Whitney vorangegangen. Zunächst waren dabei die Kanadier im Vorteil.

Erst in buchstäblich letzter Minute konnte sich gestern das europäische Konsortium bei dem rund 4 Mrd. Euro schweren Projekt durchsetzen. Airbus hatte noch in den vergangenen Tagen betont, das kanadische Angebot sei deutlich günstiger und man neige dazu, es anzunehmen. Jetzt heißt es, die Europäer hätten ihr Angebot noch einmal nachgebessert. Dennoch hat die Entscheidung für EPI zur Folge, dass Deutschland als größter Auftraggeber 30 Mill. Euro zusätzlich in den A 400 M stecken muss. Das Gesamtprojekt Militär-Airbus kostet die beteiligten europäischen Staaten rund 20 Mrd. Euro.

Die Entscheidung für EPI war unter starkem politischen Druck zu Stande gekommen. Zuletzt hatte sich der französische Staatspräsident Jacques Chirac für eine EU-Lösung stark gemacht. Hinter EPI stehen die großen europäischen Triebwerkbauer Rolls-Royce, MTU , Snecma und ITP. Ursprünglich war vorgesehen, Airbus die Entscheidung allein zu überlassen und den Auftrag an den günstigsten Anbieter zu vergeben. Doch stieß die Entscheidung für Pratt & Whitney angesichts der wachsenden Sorgen in der europäischen Luftfahrtindustrie zunehmend auf politischen Widerstand.

So ist auch der mit Abstand größte europäische Anbieter EADS schlechter als erwartetet ins Jahr gestartet. Finanzvorstand Hans Peter Ring nannte auf einer Analystenkonferenz vor der gestrigen Hauptversammlung in Amsterdam drei Gründe: die gestiegenen Kosten für die Entwicklung des Großflugzeuges A 380, geringere Airbusauslieferungen wegen der Luftfahrtkrise und drittens die Dollarschwäche.

Europas größter Luftfahrt- und Rüstungskonzern setzte im ersten Quartal mit 5,5 Mrd. Euro 14 % weniger um. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) brach um fast 60 % auf 130 Mill. Euro ein. Unter dem Strich erhöhte sich der Verlust auf 93 Mill. Euro nach noch 25 Mill. Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten deutlich bessere Zahlen erwartet. "Das Ergebnis ist enttäuschend, sagte Analyst Charles Armitage von Merrill Lynch. Er glaubt nicht daran, dass das Unternehmen in diesem Jahr seine Ziele erreicht. Die am M-Dax notierten EADS-Aktien büßten am Morgen gut 4 % auf 8,41 Euro ein, erholten sich dann aber wieder.

Auf der Hauptversammlung versuchte der Vorstand, vorsichtigen Optimismus zu verbreiten. "Das Ende des Irak-Krieges lässt uns hoffen, dass das internationale Geschäftsklima allmählich wieder besser wird", sagte EADS-Vorstandschef Rainer Hertrich, der das Unternehmen zusammen mit dem Franzosen Philippe Camus führt. EADS hält trotz des schwachen Starts an seiner Prognose fest: Er will das Vorjahresniveau von 30 Mrd. Euro bei Umsatz und 1,43 Mrd. Euro Ertrag (Ebit) wieder erreichen. Hauptkonkurrent Boeing hatte seine Prognosen für 2003 nach unten korrigiert, im ersten Quartal war der Umsatz um 11 % auf 12,2 Mrd. $ gesunken.

Größtes Sorgenkind der EADS bleibt die von Überkapazitäten geprägten Raumfahrtsparte. Die höchste Belastung durch den Umbau dieser Sparte steht im nächsten Quartal an. Dann werden 150 Mill. Euro Sanierungskosten fällig. Insgesamt soll der Umbau 280 Mill. Euro kosten.

Nachholbedarf in Nordamerika

Um das Geschäft in Nordamerika anzukurbeln, hat EADS eine neue Holding mit Sitz in Washington, D.C. gegründet. Unter dem Dach der EADS North America werden aber nur die Aktivitäten der hundertprozentigen EADS-Töchter zusammengefasst. Das Flugzeuggeschäft von Airbus, bei weitem der größte Geschäftsbereich des Konsortiums, sowie der Raketen- und Geschosshersteller MBDA bleiben wegen der Partnerschaft mit BAE Systems außen vor.

Mit der Holding in der US-Hauptstadt will sich EADS mehr Gewicht bei der Akquisition von Aufträgen aus den Bereichen Rüstung und zivile Sicherheit geben. Außerdem setze das Unternehmen bei seiner Expansion weiter auf Partnerschaften mit den großen US-Raumfahrt- und Rüstungsfirmen, suche aber auch nach Akquisitionsmöglichkeiten, so der Holding-Chef Ralph Crosby. Er sitzt auch im Exekutivausschuss der Konzernmutter.

Der neuen Holding unterstehen neun Tochterfirmen mit rund 1 500 Beschäftigten. Der Umsatz von knapp 530 Mill. $ im letzten Jahr soll laut Crosby 2003 um zehn Prozent steigen. Demgegenüber setzt Airbus allein in den USA fast das Zehnfache um. Mit einem Jahresumsatz von 275 Mill. $ ist American Eurocopter die größte Tochter der neuen Holding. Das stärkste Wachstum verzeichnete die Wartung von Airbussen durch die EADS Aeroframe Services. Langfristig sollen auch andere Flugzeugtypen betreut werden.

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