Politischer Einfluss auf die Telekom befürchtet: Berufung Zumwinkels stößt auf Skepsis

Politischer Einfluss auf die Telekom befürchtet
Berufung Zumwinkels stößt auf Skepsis

Die Berufung des Post-Chefs Klaus Zumwinkel zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutsche Telekom AG stößt innerhalb und außerhalb des Konzerns auf Kritik. Sowohl Aktionäre als auch Manager der Telekom begrüßten zwar den Umbau des Aufsichtsrats, kritisierten aber, dass der Hauptaktionär Bund seinen Einfluss auf die Telekom stärke.

HB DÜSSELDORF. Davon will das Bundesfinanzministerium jedoch nichts wissen. Es sei 2002 verabredet worden, auch den Aufsichtsrat neu zu ordnen, sagte ein Sprecher. Nach der nächsten Hauptversammlung werde sich die Telekom mit einer auf beiden Ebenen neu aufgestellten Mannschaft ihren Aufgaben widmen.

Auch Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke lobte auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover die Entscheidung. Damit sei auch im Aufsichtsrat "eine solide, stabile Basis für einen erfolgreichen Neuanfang gegeben".

In der Telekom jedoch grummelt es hörbar. "Das Ganze hat eine ungute Signalwirkung", kritisierte ein Telekom-Manager. Es wirke, "als ob Post und Telekom wieder enger zusammenrücken wollten". Beide Unternehmen sind aus der staatlichen Bundespost hervorgegangen. Der Bund müsse diese Bedenken zerstreuen. Gut sei aber, dass Hans-Dietrich Winkhaus, der als Oberaufseher für das monatelange Gezerre um die Ablösung Ron Sommers und die Bestellung Rickes als Telekom-Chef verantwortlich war, abgelöst werde. "Ricke wird von Zumwinkels Erfahrungen profitieren können", sagte der Manager.

Vertreter institutioneller Investoren pflichteten dem bei: "An der Person von Herrn Zumwinkel gibt es nichts auszusetzen, er ist ein anerkannter CEO", sagte Victor Moftakhar, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Deka. Außerdem wisse er, mit dem Bund als Großaktionär umzugehen. Fraglich sei aber, ob er genug Zeit für eine aktive Kontrolle habe.

"Die Einflussnahme der Regierung bei der Besetzung solcher Posten ist bedenklich", bemängelte Henning Gebhardt, Fondsmanager bei der DWS. Auch Reinhild Keitel, die Vorstandssprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, sagte, der Bund hätte bei der Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes besser Zurückhaltung gezeigt. Die Finanzmärkte sähen jeden Bundeseinfluss auf die Telekom negativ.

Dem widersprach Theodor Baums, Direktor des Instituts für Bankrecht an der Uni Frankfurt und Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance. "Es ist völlig legitim, wenn der Bund, wie es jeder andere Großaktionär auch tun würde, seine Rechte wahrnimmt", sagte er. "Der Eigentümer soll sogar Einfluss nehmen, das sieht das Aktiengesetz vor."

Im neuen gläsernen Turm der Deutschen Post in Bonn herrscht jedenfalls Genugtuung. Von hier aus kann Zumwinkel aus dem 41. Stock auf die wenige hundert Meter entfernte Telekom-Zentrale herabsehen. Seine Berufung gilt hier als Bestätigung für den Mann, der den Konzern von der "Schneckenpost" zum globalen Logistikriesen umgebaut hat. Und nicht zuletzt als Triumph über das Schwesterunternehmen, das jahrelang als Liebling der Medien im Rampenlicht stand.

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