Politisches Hickhack belastet die europäischen Konzerne
Rüstungsaktien unter Druck

Der Höhenflug der Aktien von Rüstungskonzernen ist vorbei. Vor allem die US-Unternehmen haben massiv verloren. Langfristig hat das Thema Sicherheit aber noch Konjunktur.

DÜSSELDORF. Die Ausgaben des Pentagons haben einen Höchststand erreicht und nach wie vor droht ein Krieg im Irak: Die Aktien von Rüstungskonzernen müssten eigentlich raketengleich durch die Decke gehen - stattdessen fallen sie. Ob General Dynamics, Northrop Grumman, Boeing oder BAE Systems, seit Juli haben die Papiere der größten Anbieter von Rüstungsgütern bis zu einem Drittel verloren.

Viele Analysten sind sich einig: Besonders die Aktien der US-Unternehmen haben nach über zwei Jahren steigender Kurse ihren Höchststand erreicht und sind teuer geworden. Der Raum für weitere Gewinne ist gering, die Investoren haben sich zum Teil dafür entschieden, auf die Erholung der Technologie-Werte zu setzen und lieber in Microsoft oder Cisco ihr Geld angelegt.

Hinzu kommen politische Faktoren: In den USA droht das Haushaltsdefizit weiter zu wachsen. Beobachter stellen sich die Frage, ob die Regierung das hohe Niveau des Verteidigungshaushalts halten kann. Zudem könnten die Kosten für einen Krieg gegen den Irak, je nach Dauer, Mittel auffressen, die sonst in langfristige Rüstungsprojekte fließen.

Nachdem die Begeisterung für Wehrtechnik nun ein wenig abgekühlt ist, fallen auch die hausgemachten Probleme in den Unternehmen wieder stärker ins Auge: Bei Boeing drückt das schlecht laufende zivile Luftfahrt-Geschäft auf den Kurs. Northrop Grumman überraschte im dritten Quartal die Anleger mit unerwartet hohen Abschreibungen und Schwierigkeiten bei der Abwicklung einiger Projekte. Zudem brauchte der Konzern, der jetzt zu den "großen Drei" in den USA gehört, länger als geplant für die Übernahme des Konkurrenten TRW. Die dafür nötige Zustimmung des Justizministeriums steht nun zwar in Aussicht. Allerdings unter der Auflage, dass Beamte des Ministeriums die Fusion überwachen. Sie sollen dafür sorgen, dass Konkurrenten wie Lockheed Martin einen fairen Zugang zur Satelliten-Technologie von TRW erhalten.



Während die Kurse der US-Unternehmen ihr Potenzial zunächst ausgeschöpft haben, sehen Analysten theoretisch noch Raum für das der europäischen. "Einfach, weil sie sich so schlecht entwickelt haben", sagt ein Londoner Analyst. Nick Fothergill von Banc of America Securities rechnet inzwischen damit, dass die Aktien der US-Konzerne gegenüber den europäischen eine Prämie von 44 % eingepreist haben.



Doch das hat auch seinen Grund: BAE Systems, Thales oder EADS schneiden bei den Anlegern auch deshalb so schlecht ab, weil das Wohl und Wehe ihrer Aufträge am Zusammenspiel in den europäischen Rüstungs-Kooperationen liegt. "Und die leiden neben hausgemachten Verzögerungen vor allem darunter, dass die Verteidigungsausgaben in Europa bei weiten nicht das US-Niveau erreichen, sagt Fothergill. Die europäischen Regierungen gelten vielen als ein unberechenbarer Kunde.

Pro

bleme wie bei den Stückzahlen des Transportflugzeugs Airbus A400M aus dem Hause EADS oder dem Eurofighter, der von einem Konsortium um EADS und BAE Systems gebaut wird, verschrecken Anleger, obwohl gerade BAE Systems als eines der wenigen europäischen Unternehmen über einen starken Arm in den USA verfügt und dort vom Ausgabensegen des Pentagons profitieren kann. Auch die französische Thales-Papiere halten einige Analysten für unterbewertet. Wann sie sich jedoch erholen, steht in den Sternen, "denn Thales hat die denkbar schlechtesten Anteilseignern der Welt", sagt ein Londoner Analyst - den französischen Staat und Alcatel. So lange sich daran nichts ändere, sei Thales nicht interessant.

Der Abwärtstrend der Rüstungsaktien muss aber nicht in den Keller laufen: Analysten gehen davon aus, dass der sich im Frühjahr dreht, losgelöst davon, ob es zu einem Irakkrieg kommt oder nicht. "Wir werden unseren Anlegern dann raten einzusteigen", sagt Fothergill.

Er rechnet nicht damit, dass sich US-Präsident George W. Bush auf der Höhe seines Kampfes gegen den Terror bei der Budget-Planung für 2004 im Frühjahr, politisch eine Kürzung der Verteidigungsausgaben leisten kann. Tatsächlich trommelt das Pentagon im Weißen Haus schon für Pläne, zusätzlich zum Rüstungsetat bis 2005 jährlich 10 Mrd. $ für den Kampf gegen den Terror bereit zu stellen. Das große Geld, glauben Branchenkenner, werden künftig vor allem High-Tech-Projekte einbringen: Netzwerksysteme, die Soldaten per Satellit mit verschiedenen Waffensystemen verbinden.

Quelle: Handelsblatt

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