Polizei löst weitere Blockade bei Oldendorf gewaltsam auf
Castor-Gegner verschärfen Proteste

Angesichts des anrollenden Castor-Transports aus Frankreich haben Atomgegner in Niedersachsen am Dienstagmorgen ihre Proteste verschärft. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace besetzten eine Eisenbahnbrücke in der Nähe des niedersächsischen Dannenberg, über die der Atommüll-Transport ins Zwischenlager Gorleben rollen soll.

afp LÜNEBURG. 16 Greenpeace-Mitglieder blockieren die Schienen auf der Jeetzel-Brücke, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Auf den Gleisen befestigten sie Ketten, mit denen sie rund zehn Kletterer unter der Brücke sicherten.

Die Polizei beorderte nach eigenen Angaben ein massives Aufgebot zur Brücke. "Wir werden versuchen, die Menschen gefahrlos von der Brücke zu holen", sagte eine Polizeisprecherin. Greenpeace hatte nach eigenen Angaben Schlauchboote und Leitern genutzt, um die stark bewachte Brücke zu erreichen. Die Jeetzel-Brücke gilt als Nadelöhr auf dem geplanten Weg des Castor-Transports nach Gorleben.

Eine weitere Blockadeaktion meldete die Polizei von einer Brücke über die Castor-Gleisstrecke bei Oldendorf. Den Angaben zufolge errichteten Bauern mit neun Traktoren und einem Unimog eine Straßensperre auf der Überführung; zugleich versuchten die Atomgegner, mit weiteren Fahrzeugen auf die Schienen zu gelangen. Die Polizei löste die Blockade gewaltsam auf und nahm 20 Demonstranten in Gewahrsam. Bei den Auseinandersetzungen wurden zwei Polizisten offenbar leicht verletzt.

Der Castor-Transport hatte in der Nacht die deutsch-französische Grenze passiert und am Vormittag die hessische Stadt Bebra erreicht. Auf seinen ersten Metern in Deutschland war der schwer bewachte Zug von 200 bis 300 Atomkraft-Gegnern durch Sitzblockaden mehrfach zum Anhalten gezwungen worden, so dass er für elf Kilometer mehr als eineinhalb Stunden brauchte. Bis zum frühen Morgen wurden nach Angaben eines BGS-Sprechers wegen Sitzblockaden und Gleisbesetzungen 50 Atomkraftgegner vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. Bei der Räumung der Gleise zwischen der Grenze und dem rheinland-pfälzischen Wörth am Rhein wurden nach Auskunft des Neckarwestheimer Aktionsbündnisses sieben Menschen leicht verletzt.

Etwa 10 000 Demonstranten erwartet

Über den weiteren Verlauf der Strecke machte die Polizei keine Angaben. Allgemein wurde jedoch davon ausgegangen, dass der Transport über Fulda, Bebra und Göttingen nach Dannenberg führen würde, wo der Zug am Abend erwartet wurde. In Dannenberg sollen die sechs Behälter mit dem Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken auf Tieflader umgeladen und dann am Mittwoch die restlichen 20 Kilometer zum Zwischenlager Gorleben auf der Straße zurücklegen. In der Region haben Polizei und Grenzschutz 15 000 Beamte zum Schutz der Castoren aufgeboten. Zu Protestaktionen gegen den Castor-Transport und die Atompolitik der rot-grünen Bundesregierung erwarten Bürgerinitiativen gut 10 000 Teilnehmer. Bei ersten Auseinandersetzungen mit Atomkraftgegnern nahm die Polizei nach Angaben eines Sprechers am Montag 186 Menschen in Gewahrsam. Beim letzten Castor-Transport war es 1997 zu Ausschreitungen gekommen.

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