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Polizei sucht Fluchthelfer von PfahlsDPA-Datum: 2004-07-15 08:12:22

Berlin/Augsburg (dpa) - Nach der Festnahme des früheren Rüstungs- Staatssekretärs Ludwig-Holger Pfahls in Paris konzentriert sich die deutsche Polizei nun auch auf seine Fluchthelfer.

Berlin/Augsburg (dpa) - Nach der Festnahme des früheren Rüstungs- Staatssekretärs Ludwig-Holger Pfahls in Paris konzentriert sich die deutsche Polizei nun auch auf seine Fluchthelfer.

Einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge sind dies vorwiegend ehemalige Geheimdienstmitarbeiter und Kaufleute wie der Pfahls-Vertraute Dieter Holzer. Die deutsche Justiz arbeitet unterdessen mit Hochdruck an der Auslieferung des 61 Jahre alten früheren CSU-Politikers. Ob im Steuerstrafprozess gegen den Politikersohn Max Strauß heute ein Urteil gefällt wird, ist ungewiss.

Das Landgericht Augsburg will zwar am Termin festhalten und auch die Verteidigung von Max Strauß plant nach eigenen Angaben keine weiteren Anträge. Dennoch schließt das Gericht neue Erklärungen oder eine überraschende Wendung nicht aus. Der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) muss sich wegen des gleichen juristischen Komplexes wie Pfahls verantworten.

Er soll im Zusammenhang mit dem Verkauf von Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Bestechungsgelder in Höhe von 5,2 Millionen Mark (2,6 Millionen Euro) kassiert und nicht versteuert haben. Pfahls ist den Ermittlungen zufolge mit 3,8 Millionen Mark (1,94 Millionen Euro) bedacht worden.

Die Chancen für eine baldige Überstellung von Pfahls an die deutschen Behörden stehen gut. In Paris hieß es, eine Anklageerhebung sei nicht geplant. Damit stünden einer Auslieferung zumindest keine Ermittlungen im Zusammenhang mit der Affäre um Elf Aquitaine im Weg.

Gerätselt wurde, warum Pfahls sich nach fünfjähriger Flucht am Dienstag widerstandslos in Paris festnehmen ließ. Schreiber sagte der dpa in Toronto: «Pfahls hat sich mit voller Absicht gestellt.» Er hätte sie nie gestellt, wenn er sich nicht Vorteile versprechen würde. Laut «Bild»-Zeitung hat Pfahls in jüngster Zeit drei Schlaganfälle erlitten.

Unterdessen ging die Debatte weiter, ob der Ausschuss zur CDU - Spendenaffäre wieder eingesetzt werden soll. Der frühere Vorsitzende Volker Neumann (SPD) wandte sich dagegen, geht aber davon aus, dass es in Pfahls' Fall zu neuen Enthüllungen kommen könnte. Auch CDU und FDP sind gegen eine Neuauflage. CDU-Chefin Angela Merkel sagte der «Berliner Zeitung» (Donnerstag), es sei die Justiz am Zuge. «Insofern gibt es keinerlei Notwendigkeit, parlamentarisch aktiv zu werden.» Der Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele bekräftigte dagegen seine Forderung nach einer Neuauflage, falls Pfahl reden wolle.

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