Polizei und Regierung machen ETA verantwortlich
Spanischer Richter fällt Bombenanschlag zum Opfer

Ein Richter des Obersten Gerichtshofes wurde bei der Explosion einer Autobombe getötet. Zunächst bekannte sich niemand zur Tat, doch sehe alles nach einem ETA-Anschlag aus, so ein Regierungssprecher.

ap MADRID. Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag ist in Madrid ein Richter des Obersten spanischen Gerichtshofs getötet worden. Auch der Chauffeur des 69 Jahre alten Juristen Jose Francisco Querol und sein Leibwächter, ein Polizist, wurden bei der Explosion einer Autobombe getötet; 35 weitere Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat in dem nordöstlichen Wohnviertel Arturo Soria. Polizei und Regierung machten dafür jedoch die baskische Separatistenorganisation ETA verantwortlich.

"Das sieht durch und durch nach einem ETA-Anschlag aus", sagte ein Sprecher des Madrider Innenministeriums, Fernando Delgado. Wie Polizeisprecher Jose Javier Rodriguez mitteilte, explodierte die Bombe um 09.15 Uhr in einem nahe einer Kreuzung geparkten Fahrzeug, als Querols Auto vorbeifuhr. An mehreren umliegenden Häusern gingen Fensterscheiben zu Bruch, und Anwohner liefen in Panik auf die Straßen.

Umgebung abgeriegelt

Ein an der Kreuzung wartender Stadtbus wurde schwer beschädigt. Nach Angaben eines Sprechers des Madrider Rettungsdienstes befanden sich darin mehrere Fahrgäste, die leicht verletzt wurden. Der Busfahrer habe schwere Verletzungen erlitten. Die Explosion ereignete sich in unmittelbarer Nähe einer Schule. Die Polizei riegelte aus Sorge vor einer möglichen weiteren Bombe die Umgebung ab und brachte mehrere Anwohner in Sicherheit.

Wie die Justizbehörden mitteilten, arbeitete Querol in einer militärrechtlichen Abteilung des Obersten Gerichtshofs. Der Richter habe den Rang eines Generals gehabt und hätte im kommenden Monat in den Ruhestand treten sollen. Nach Angaben der Polizei wohnte Querol in Arturo Soria; seine Frau und Tochter konnten die Explosion von zu Hause aus hören.

Demonstrationen gegen ETA

Die ETA hat mehrfach Autobombenanschläge verübt und sich zumeist erst Wochen später zu den Taten bekannt. Ihr werden in diesem Jahr bereits 16 Morde zur Last gelegt. Zuletzt wurde am 22. Oktober in der baskischen Hauptstadt Vitoria ein Gefängnisaufseher bei der Explosion einer Autobombe getötet. Seit 1968 fielen dem Kampf der ETA für ein unabhängiges Baskenland rund 800 Menschen zum Opfer.

Mehrere Organisation riefen für den Abend in mehreren spanischen Städten zu Demonstrationen gegen die ETA auf. Zu den Protestaktionen in Madrid, Vitoria, Bilbao und San Sebastian wurden mehrere tausend Demonstranten erwartet. Die Organisation Bewegung gegen Intoleranz kündigte für Dienstagabend weitere Proteste unter anderem in Barcelona, Sevilla, Saragossa und Valencia an. In den vergangenen Monaten waren oft mehrere zehntausend Menschen gegen den ETA-Terror auf die Straße gegangen.



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