Polizei veröffentlicht Vorstrafen und Lebenslauf
Schweizer Amokläufer war offenbar psychisch gestört

afp ZUG. Der Amokläufer, der am Donnerstag im Regionalparlament des Schweizer Kantons Zug 14 Politiker und sich selbst getötet hatte, war offenbar psychisch gestört. Die Schweizer Polizei veröffentlichte am Freitag in Zug das Vorstrafenregister und Auffälligkeiten aus dem Vorleben des 57-Jährigen. So habe der kaufmännische Angestellte vor drei Jahren einen Busfahrer mit einer Waffe bedroht, weil er glaubte, dieser sitze betrunken am Steuer. Der Busfahrer zeigte ihn an. Als der Ermittlungsrichter den 57-Jährigen als "halsstarrigen Streithahn" bezeichnete, überzog er die Gerichte mit einer Flut von Klagen wegen Beleidigung, die jedoch allesamt abgewiesen wurden. In Flugblättern warf er daraufhin Mitgliedern der Regionalregierung Machtmissbrauch vor. Der Ermittlungsrichter sagte, er habe kein psychiatrisches Gutachten über den Mann in Auftrag gegeben, weil nicht genug passiert sei.

Wie die Polizei weiter berichtete, war der 57-Jährige 1970 wegen Kindesmissbrauchs, Urkundenfälschung und Veruntreuung zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Anschließend lebte er bis zu dem Vorfall 1998 unauffällig. Er hatte drei Waffenlizenzen, die zwischen 1996 und 1998 ausgestellt worden waren. Er war verheiratet und hatte eine Tochter, lebte jedoch von seiner Familie getrennt in Zürich. Bis vor einem Jahr arbeitete er als kaufmännischer Angestellter. Seit kurzem bezog er eine Invalidenrente.

Herkunft der Waffen unklar

Polizeichef Urs Hürlimann sagte, bislang sei unklar, wie der Mann in den Besitz der Waffen gekommen sei, mit denen er am Donnerstag das Blutbad im Parlament anrichtete. So stamme sein Sturmgewehr nicht aus dem Bestand der Schweizer Armee, wie zuvor vermutet worden war. Daneben hatte der Amokläufer bei seinem Sturm in den Abgeordnetensaal ein weiteres Gewehr, einen Revolver und eine Pistole dabei gehabt. Gekleidet war der Attentäter in Kampfmontur, die einer Polizeiuniform ähnelte.

Die Kantonsregierung rief für Montag einen Trauertag aus. Schulen und Behörden sollen geschlossen bleiben. In der Sankt Michaelskirche von Zug soll ein Gedenkgottesdienst für die Opfer stattfinden. Der Mann hatte am Donnerstag im Regionalparlament einen Sprengsatz gezündet und anschließend 14 Politiker und sich selbst erschossen. 14 weitere Menschen wurden verletzt. In dem Auto des Attentäters fand die Polizei einen Brief, der einen "Tag des Zorns für die Zuger Mafia" ankündigte.

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