Polizei verwehrt 130 000 Tamilen Zugang zu Wahllokalen
Tote bei Parlamentswahl in Sri Lanka

Bei der Parlamentswahl in Sri Lanka hat die Polizei am Mittwoch etwa 130 000 Wahlberechtigten der tamilischen Minderheit den Zugang zu den Wahllokalen verwehrt. Rebellen könnten sich unter die Menge mischen und die Wahl stören, hieß es zur Begründung von den Behörden. Vorausgegangen war der Abstimmung einer der blutigsten Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes.

ap COLOMBO. Seit dem Beginn am 21. Oktober wurden mindestens 50 Menschen getötet, allein acht davon in der Nacht zum Wahltag und am Wahltag selbst. Die Regierung von Präsidentin Chandrika Kumaratunga stellte zusätzlich zu rund 40 000 Polizisten mehrere tausend Soldaten für die Bewachung der Wahllokale ab. Stimmberechtigt waren rund 12,4 Millionen Personen. Zu besetzen sind 225 Parlamentssitze. Mit Ergebnissen wird nicht vor Donnerstag gerechnet. Hauptthema des Wahlkampfes war die Frage, ob der Kampf gegen die tamilischen Rebellen verstärkt oder einen Frieden mit ihnen gesucht werden soll.

Unabhängige Wahlbeobachter berichteten von zahlreichen Drohungen und Übergriffen durch bewaffnete Horden. In Batticaloa im Osten und in Vavuniya im Norden des Landes blockierten Soldaten Straßen, weil der Geheimdienst vor Anschlägen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gewarnt hatte. Ein großer Teil der Tamilen hätte vermutlich für Oppositionsparteien gestimmt. "Ich gehe davon aus, dass das einen bedeutenden Einfluss auf das Wahlergebnis in den entsprechenden Bezirken haben wird", sagte der leitende EU-Beobachter John Cushnahan.

Kumaratunga, deren Amtszeit im Jahr 2005 endet, hat angekündigt, unter Umständen werde sie einen Wahlsieg der Opposition unter ihrem Erzrivalen Ranil Wickremesinghe nicht akzeptieren. Laut Verfassung muss die Präsidentin nicht zwangsläufig den Mehrheitsführer zum Ministerpräsidenten ernennen. Sie kann das Parlament auflösen oder Neuwahlen ansetzen.

Wickremesinghe ist Vorsitzender der Vereinigten Nationalpartei, der größten Oppositionspartei in Sri Lanka. Diese hatte Ende Juni einen Misstrauensantrag gegen die Regierung gestellt. Kumaratunga löste daraufhin das Parlament vorübergehend auf. Weil es ihr nicht gelang, eine neue Regierungskoalition zu schmieden, rief sie Neuwahlen aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%