Polizei zieht Bilanz
Dilletantische Euro-Fälschungen

Bis Ende März zog die Bundesbank gerade einmal 714 falsche Euro-Scheine aus dem Verkehr. Die befürchtete Blüten-Welle nach der Euro-Einführung blieb aus. "Das Gros der Falschgeldproduktion stammt derzeit von Bastlern und Amateuren."

HB MÜNCHEN. Die jüngsten Eurofälscher waren gerade einmal zwölf Jahre alt. Auf dem Schulhof hatten die Schüler versucht einem Hausmeister die Scheine anzudrehen. Ohne Erfolg, denn die am heimischen Computer gefertigten Fälschungen waren allzu plump. Das gleiche gilt für die meisten der im ersten halben Jahr seit der Euro- Einführung bundesweit sichergestellten "Blüten", die schlicht am Farbkopierer oder Computer hergestellt wurden.

"Das Gros der Falschgeldproduktion stammt derzeit von Bastlern und Amateuren", erläutert der Vizechef des Falschgelddezernats beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA), Josef Dirnberger. "Die professionellen Fälscher müssen sich erst auf die neue Euro-Währung einstellen." Rund 500 falsche Scheine sind seit Januar im Falschgelddezernat des LKA gelandet. Ein Jahr zuvor waren es noch vier Mal so viele.

Auch bei der Deutschen Bundesbank ist man mit der Falschgeldbilanz im ersten halben Jahr seit der Euro-Einführung zufrieden. "Die ganzen pessimistischen Prognosen haben sich nicht bestätigt", berichtet der Leiter der für Falschgeld zuständigen Abteilung bei der Hauptverwaltung München der Bundesbank, Werner Dietel. Entgegen den Befürchtungen hätten sich die Fälscher nicht getraut, die Unwissenheit der Verbraucher in der Euro-Startphase zu nutzen. Bundesweit zog die Bundesbank bis Ende März im Zahlungsverkehr lediglich 714 falsche Scheine ein. Die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor.

Unter UV-Licht und Infrarot prüfen die Falschgeldexperten in München mit einem speziellen Gerät die von Banken und Geschäften an die Polizei gegebenen zweifelhaften Scheine. Die Geldscheinnummern werden über die zentralen Computer der Bundesbank und des Bundeskriminalamtes geprüft. Relativ leicht erkennen die Fachleute echte Scheine, die einen 60-Grad-Gang in der Waschmaschine durchgemacht haben und dabei ihren Silberstreifen einbüßten.

Als "simple Farbkopie" identifiziert der LKA-Fachmann Günter Panhans hingegen schnell einen in einer Würzburger Eisdiele angenommenen 50-Euro-Schein - "um das zu sehen, brauche ich nicht mal ein Gerät". In letzter Zeit sind allerdings zunehmend aufwendiger gedruckte Scheine aufgetaucht - für die LKA-Leute ein Hinweis, dass sich langsam auch die Profi-Fälscher an die neue Währung heranwagen.

Immer wieder fielen Verbraucher freilich auch auf kuriose "Blüten" herein. Ein Tankwart in Franken etwa nahm anstandslos eine 300-Euro- Note an - dabei war nicht nur die Zahl außergewöhnlich, sondern auch die Bilder: An den Säulen des auf dem Schein abgebildeten Tores lehnten nackte Damen, es handelte sich um eine im Internet bestellbare Scherzbanknote.

Ins Visier der Falschgeldermittler geriet auch die Filialleiterin eines Landshuter Supermarktes, als sie die Sorgfalt ihrer Mitarbeiter bei der Kontrolle der neuen Scheine testen wollte. Sie machte eine Kopie des 10-Euro-Scheines und steckte sie in ihren Geldbeutel, um anderntags den Test zu starten. Am Abend gab sie die Geldbörse ihrem 15-jährigen Sohn, der ein Hamburger-Restaurant besuchte - und just den kopierten Schein erwischte. Nur mit Mühe konnte die Frau der Polizei den eigentlichen Zweck ihrer Fälschungsaktion glaubhaft machen.

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