Polizeiposten zerstört
Israelische Armee dringt erneut in Gazastreifen ein

Nach einem vollständigen Abzug sind am Mittwoch erneut israelische Panzer und Bulldozer in den Gazastreifen eingedrungen. Die Soldaten rückten kurzzeitig auf palästinensisch verwaltetes Gebiet nahe der ägyptischen Grenze vor und zerstörten einen Posten der palästinensischen Grenzpolizei.

ap GAZA/WASHINGTON. Erst Stunden zuvor hatte Israel seine Truppen zurückgezogen, die am Dienstag einmarschiert waren. Mit dem neuen Vormarsch habe Israel auf Granatenbeschuss kurz zuvor reagiert, erklärte ein Militärsprecher.

Der israelische Außenminister Schimon Peres sprach von einer sehr kurzen Operation. Die Soldaten seien nicht weiter als 20 Meter vorgedrungen. Er verurteilte scharf die palästinensischen Granatenangriffe. Kurz nach dem Abzug der israelischen Truppen am Mittwoch hatten militante Palästinenser Mörsergranaten auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen gefeuert. Drei Geschosse trafen die Siedlung Neve Dekalim, drei weitere schlugen in der Nähe eines militärischen Hauptquartiers ein. Verletzt wurde niemand.

Spekulationen um Rückzug

Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo verurteilte das israelische Vorgehen und forderte internationale Schutztruppen für die Palästinenser. Die israelische Regierung widersprach unterdessen Spekulationen, sie habe mit dem Rückzug vom Mittwoch auf Druck der USA reagiert. US-Außenminister Colin Powell hatte den Militäreinsatz als "übertrieben und unverhältnismäßig" kritisiert und Israel zum Rückzug aufgefordert. Die israelischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung mit, der Rückzug aus dem Gazastreifen sei bereits am Dienstag beschlossen worden - vor der deutlichen Kritik der USA.

Oppositionspolitiker erklärten jedoch, die Regierung wolle nur nicht eingestehen, dass sie dem US-Druck nachgegeben habe. Ministerpräsident Ariel Scharon wurde wegen des Rückzugs am Mittwoch heftig von jüdischen Siedlern und rechtsgerichteten Politikern kritisiert. Peres telefonierte nach Angaben des Außenministeriums am Mittwoch mit Powell und erläuterte die Hintergründe des ersten Einmarsches. Powells Kritik habe aus einem Kommunikationsproblem resultiert, hieß es.

Palästinenser bitten UN erneut um Schutz

Angesichts der Gewalt baten die Palästinenser den Weltsicherheitsrat erneut um Schutz. Der palästinensische UN-Beobachter Nasser el Kidwa schrieb in einem Brief, der Rat dürfe die Tragödie im Nahen Osten nicht länger wie gelähmt verfolgen. Die Gewalt gefährde die gesamte Region und bedrohe die internationale Sicherheit. Auch vor dem UN-Büro in Damaskus forderten Palästinenser am Mittwoch eine internationale Schutztruppe. Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland verurteilte das Vordringen am Mittwoch aufs schärfste und rief die UN zum Eingreifen auf.



Papst Johannes Paul II. erneuerte am Mittwoch seinen Aufruf zu Frieden im Nahen Osten und der Wahrung des internationalen Rechts. Er sprach all denen, die in "einem Strudel der bewaffneten Gewalt" litten, sein Mitgefühl aus.

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