Polizist als Komplize der Terroristen
Nachrichten-Wirrwarr um den Tod von 45 Geiseln

Die russische Nachrichtenagentur Interfax hat am Dienstag ihre Meldung zurückgezogen, dass nach Angaben der Staatsanwaltschaft 45 Geiseln an Schussverletzungen gestorben seien. In einer korrigierten Fassung wurde der Moskauer Staatsanwalt Michail Awdjukow mit der Aussage zitiert, diese Zahl umfasse die getöteten tschetschenischen Terroristen, zwei Geiseln und zwei weitere Opfer. Die russischen Behörden stehen wegen ihrer Verschleierungspolitik seit dem Ende des Geiseldramas in dem Moskauer Musical-Theater in der Kritik.

HB/dpa MOSKAU. In der ursprünglichen Eilmeldung hatte Interfax Awdjukow eindeutig mit den Worten zitiert, 45 der 117 getöteten Geiseln seien an Schussverletzungen gestorben. Unterstützt wurde dies durch ein wörtliches Zitat des Staatsanwaltes: "In dieser Zahl sind 43 Geiseln enthalten, die Moskauerin Olga Romanowa, die bei dem Versuch, in das Theater an der Dubrowka zu gelangen, von den Terroristen erschossen worden war, und ein Mann, dessen Identität bislang nicht festgestellt wurde und der auf eine mögliche Verbindung mit den Terroristen überprüft wird."

Experten müssten noch feststellen, aus welchen Waffen die Opfer erschossen worden seien, von denen der Terroristen oder denen der Spezialeinheiten, sagte Awdjukow nach den ursprünglichen Fassung. Dieser Passus fehlte in der geänderten Interfax-Version. Ärzte hatten am Sonntagabend offiziell mitgeteilt, 115 der 117 toten Geiseln seien an dem bei der Erstürmung eingesetzten Gas gestorben.

Als mutmaßlicher Komplize der Terroristen wurde am Montag ein Polizeioffizier festgenommen. Der Mann habe die tschetschenischen Geiselnehmer in dem Theatergebäude per Mobiltelefon über den aktuellen Stand der Polizeiarbeit informiert, berichtete am Montag die Agentur Interfax. Der Mann habe jedoch nicht zum Krisenstab gehört, sondern sei im "mittleren Polizeidienst" mit anderen Aufgaben im Einsatz gewesen. Die russische Polizei hat seit der gewaltsamen Beendigung des Geiseldramas am Samstagmorgen nach eigenen Angaben mehrere mutmaßliche Komplizen der Terroristen festgenommen.

In Moskauer Krankenhäuser wurden am Dienstag immer noch 311 Geiseln, die am Samstag aus der Hand tschetschenischer Rebellen befreit worden waren, behandelt. Bei 16 Patienten sei der Zustand wegen der Nachwirkungen des bei der Erstürmung des Musical- Theaters eingesetzten Gases ernst, meldete die Agentur Itar-Tass am Dienstagmorgen unter Berufung auf die Kliniken. 333 befreite Geiseln seien entlassen worden.

Moskauer Ärzte erklärten, die Polizei habe sie nicht über das bei dem Sturmangriff vom Samstagmorgen eingesetzte Betäubungsgas informiert. An der Wirkung des Gases waren 115 der 117 ums Leben gekommenen Geiseln gestorben. "Wir haben die Patienten anhand der Symptome behandelt", sagte der Chefarzt der Sklifosowski- Unfallklinik, Alexander Jermolow. Russische Medien kritisierten, dass die Behandlung der Opfer nach dem Gaseinsatz schlecht vorbereitet worden sei. Weiterhin herrschte Unklarheit über das Betäubungsgas, mit dem russische Eingreiftruppen ihre Erstürmung des Gebäudes am Samstagmorgen vorbereitet hatten. Die US- Botschaft in Moskau erklärte, ihren Erkenntnissen nach handele es sich um ein Opiat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%