Polizisten verletzt
Schwerste Zusammenstöße seit Jahren in Belfast

Hunderte Katholiken und Protestanten lieferten sich in der nordirischen Hauptstadt Straßenschlachten.

Reuters BELFAST. In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es in der Nacht zum Donnerstag zu den schwersten Zusammenstößen seit Jahren zwischen pro-irischen und pro-britischen Demonstranten gekommen. Bis zu 600 Menschen seien an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen, teilte die Polizei mit. Mehrere Polizisten seien verletzt worden. Die Demonstranten hätten die Beamten mit Benzinbomben, Steinen und Flaschen beworfen. Die Polizei habe mehrmals mit Plastikmunition geschossen. "Das waren die schwersten Zusammenstöße, die Belfast seit einigen Jahren erlebt hat", sagte ein Polizeisprecher am frühen Donnerstagmorgen einer britischen Fernsehstation.

Die Auseinandersetzungen brachen in einem Stadtteil von Belfast zwischen Anwohnern eines pro-irischen katholischen und eines evangelischen Viertels aus. Bereits am Dienstag hatte es erste Zusammenstöße gegeben. Die Polizei rief in der Nacht zum Donnerstag britische Truppen zur Unterstützung nach Belfast. Das Gebiet sei inzwischen wieder ruhig, teilte die Polizei mit.

Die katholische Minderheit in der britischen Provinz Nordirland kämpft seit Jahren für die Unabhängigkeit von England. Im Karfreitagsabkommen haben sie sich 1998 mit den pro-britischen Kräften auf ein Ende des Bürgerkriegs und den Aufbau einer gemeinsamen Regionalregierung geeinigt. Ein Streit über die Entwaffnung der Untergrundorganisationen blockiert den Friedensprozess jedoch seit Monaten.

Der Ministerpräsident der Republik Irland Bertie Ahern forderte am Mittwoch die pro-irische Partei Sinn Fein und ihren bewaffneten Arm, die IRA, dazu auf, der Vereinbarung zur Entwaffnung innerhalb der kommenden zehn Tage zu folgen, damit der Friedensprozess überleben könne. Zugleich droht das nordirische Parlament in eine Krise zu geraten, sollte Nordirlands erster Minister von der pro-britischen Ulster Unionist Party (UUP), David Trimble, zurücktreten. Trimble hatte angedroht, er werde am 1. Juli zurücktreten, wenn es bis dahin bei der Entwaffnung der IRA keine Fortschritte gebe. Trimble gilt als Garant für den Fortgang des Friedensprozesses in Nordirland. Nach jahrelangen Kämpfen der IRA gegen die britische Herrschaft hatte er wesentlich zum Abschluss des Friedensabkommens beigetragen.

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