Polnischer Regierungssprecher Luft: "Große Zufriedenheit"
Erleichterung und Bitterkeit bei Ex-Zwangsarbeitern in Polen

Mit Erleichterung, aber auch mit Verbitterung haben Vertreter polnischer Zwangsarbeiter auf die Nachricht von der nun bald möglichen Entschädigung der Nazi-Opfer reagiert. "Das ist eine gute Nachricht, aber es ist eine Schande, dass es so lange gedauert hat", sagte Ludwik Krasucki vom Verband jüdischer Veteranen am Dienstag. "Ich hoffe, dass nun keine weitere Bürokratie und Hindernisse auftauchen, während wir herumsitzen und auf den Kalender blicken."

dpa WARSCHAU. Auch Karol Gawlowski vom Verband der durch das Dritte Reich geschädigten Polen reagierte vorsichtig. "Ich kämpfe seit 20 Jahren um die Entschädigung der Zwangsarbeiter und bin vorsichtig geworden.Ich werde mich erst dann freuen können, wenn das Geld ausgezahlt wird." Nun sei es notwendig, dass der Bundestag einhellig und mit den Stimmen aller Fraktionen die Rechtssicherheit für deutsche Firmen feststelle, damit kein geteiltes Bild Deutschlands erscheine. Deutschland müsse nun zeigen, dass es sein Wort gegeben habe und auch halte.

"So viele Menschen sind mit dem Bedauern darüber gestorben, dass ihr westlicher Nachbar seine Verpflichtung nicht erfüllt hat", betonte Gawlowski angesichts der Zehntausenden von Nazi-Opfern, die allein in Polen in den vergangenen zwei Jahren ohne die erwartete Entschädigung starben. "Wenn es jetzt noch weitere Verzögerungen gibt, ist der moralische Schaden für Deutschland ungeheuer."

Bei aller Zufriedenheit darüber, dass der Weg zur Entschädigung nun endlich frei sei, habe "der Geschmack des Erfolgs einen bitteren Beigeschmack", sagte Gawlowski. Dazu trage auch die Arroganz eines Teils der deutschen Industrie bei, die das Gefühl vermittele, als sei die Entschädigung der Nazi-Opfer eine Gnade. "Der Reichtum der Firmen und der Wohlstand Deutschlands wurden auf unseren Rücken gebaut", erinnerte Gawlowski an das Leid von Millionen.

Der polnische Regierungssprecher Krzysztof Luft sprach von "großer Zufriedenheit" über die bevorstehende Entschädigung. Diese Nachricht sei lange erwartet worden.

In Polen leben noch knapp 500 000 Zwangsarbeiter. Viele von ihnen sind inzwischen mehr als 80 Jahre alt, krank und leben in ärmlichen Verhältnissen.

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