Polnischer Tankstellen- und Raffineriebetreiber greift zu
BP verkauft Tankstellen an PKN Orlen

Der polnische Tankstellen- und Raffineriebetreiber PKN Orlen will nach Angaben aus Branchenkreisen vom britischen Mineralölkonzern BP rund 440 Tankstellen in Norddeutschland kaufen.

Reuters HAMBURG. Am deutschen Tankstellenmarkt, auf dem nach der Übernahme der Dea-Tankstellen durch Shell und der Übernahme von Veba Oil mit ihren Aral-Stationen durch BP vor einem Jahr die Konzentration nochmals zugenommen hatte, würde nach Einschätzung von Energieexperten damit der Wettbewerb um die Autofahrer weiter zunehmen. Ob es dadurch auch zu Preissenkungen kommen wird, sei aber offen. 4000 der insgesamt 16 000 Stationen in Deutschland gelten als unrentabel. BP Deutschland lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen aus den Kreisen ab.

In den Branchenkreisen hieß es am Montag, ein Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) über eine voraussichtlich noch in dieser Woche bevorstehende Unterzeichnung der Verträge zwischen BP und PKN sei "nicht von der Hand zu weisen". Die Zeitung hatte unter Berufung auf Kreise der beiden Unternehmen berichtet, die Finanzierung der Übernahme sei gesichert.

Der als Experte für die deutsche Ölbranche geltende Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes (EID), Heino Elfert, sagte, die Verhandlungen zwischen BP und PKN seien sehr weit fortgeschritten. Er verwies allerdings darauf, dass bereits die Gespräche mit dem russischen Ölkonzern Tadneft über das Nord-Paket in letzter Minute gescheitert sei, da die Finanzierung nicht geklappt habe. PKN Orlen ist nach EID-Angaben mit 2100 Tankstellen das größte petrochemische Unternehmen in Polen. Gemeinsam mit der britischen Rotch Energy führe PKN Orlen zudem Verhandlungen zur Übernahme von 75,1 Prozent der Anteile an der Raffineria Gdanska, der zweitgrößten Raffinerie Polens.

BP muss in Deutschland etwa 800 Tankstellen verkaufen. Das Bundeskartellamt hatte dem Ölkonzern die Übernahme der Veba Oel mit ihrer Tankstellenkette Aral nur unter der Auflage genehmigt, den Marktanteil spürbar zu verringern. Dafür hat BP die Tankstellen in ein Nord- und ein Südpaket aufgeteilt. Während man sich im Norden nun offenbar mit PKN Orlen weitgehend einig ist, soll Elfert zufolge für den Süden eine zweite Bieterrunde eingeleitet werden. Daran würden sich die österreichische OMV, die italienische Agip und die französische Gruppe Total-Fina-Elf beteiligen.

Ein Sprecher von Total-Fina-Elf bekräftige das Interesse des französischen Konzerns an einem Zuwachs in Deutschland durch Zukauf. Er schloss dabei nicht aus, dass Total-Fina-Elf dabei für das Süd-Paket von BP mitbieten werde.

Shell/DEA muss ihren Marktanteil um 5,3 Prozentpunkte auf knapp unter 20 Prozent und Aral den Anteil um vier auf dann 22 Prozent senken, um die Kartellamtsauflage für die Fusionen zu erfüllen. Gemessen an den bundesweit 16.000 Stationen entspricht dies knapp 1500 Tankstellen, die verkauft werden müssen. Shell hat bereits 470 Tankstellen abgegeben. Anders als BP schnürt Shell/Dea wegen der Vorgabe, den Mittelstand zu bedenken, dabei kleinere Verkaufspakete. Ein Shell-Sprecher sagte zum Stand der Verkäufe: "Zwei Drittel haben wir im Sack."

Energieexperte Elfert erwartet, dass der Tankstellenmarkt durch den Einstieg von PKN Orlen "bunter, aber auch unübersichtlicher" wird. Vermutlich werde der Wettbewerb zunehmen. Offen sei, ob dies auch zu Preissenkungen führe. Orlen wolle sich bei den Preisen offenbar an Markentankstellen - den so genannten A-Marken - wie Esso und Shell orientieren. "Damit könnten sie ein Problem bekommen. Die verlieren Umsatz, wenn sie als A-Marke tätig werden", sagte Elfert.

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