Popkomm im Vorjahr ein Zuschussgeschäft
Viva reagiert auf Druck der Werbekunden

Die Viva Media AG beugt sich dem Druck der Werbekunden und wird ab September regelmäßig geprüfte Zuschauerzahlen für die Musiksender Viva und Viva Plus vorlegen. Das sagte Vorstandschef Dieter Gorny dem Handelsblatt. Ende September ist bei allen Sendern der Abgabe-Schluss für die Werbebuchungen des kommenden Jahres. Auf der Telemesse in Köln Ende vergangener Woche liefen bereits erste Gespräche mit Werbekunden.

pes KÖLN. Bisher nahm die Viva Media AG, an der AOL Time Warner mit 30 % beteiligt ist, nicht an der Zuschauer-Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) teil. Konkurrenzsender MTV, Ableger des Viacom-Konzerns und derzeit Marktführer im Musikfernsehen, liefert seit einem Jahr regelmäßig Zuschauer-Zahlen.

Wie alle Fernsehsender ist auch Viva von den schrumpfenden Werbeumsätzen stark getroffen. Bei Viva sind die Werbeeinnahmen von Januar bis März diesen Jahres um einen hohen zweistelligen Prozentsatz eingebrochen. "Aber die Talsohle ist durchschritten", sagte Gorny.

Viva Media setzte im vergangenen Jahr 112,9 Mill. Euro um. Insgesamt ist der Fernsehwerbemarkt in 2002 netto um 11,5 % gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Obwohl sich die Viva-Gruppe bemüht, ihren Umsatz verstärkt aus Lizenzeinnahmen der Produktionsfirma Brainpool zu bestreiten, trägt Viva Fernsehen mit seinen Werbeeinnahmen in diesem Jahr noch 40 % zum Umsatz der Viva-Holding bei.

Werbende Unternehmen legen großen Wert auf belegbare Zuschauerzahlen. Media-Agenturen, die Mittler zwischen Medien und Werbekunden, begrüßen den späten Schritt des Kölner Musiksenders, diese Zahlen zu liefern: "Es gibt Sicherheitsanforderungen, die erfüllt werden müssen, wenn Unternehmen Geld für TV-Werbung ausgeben sollen", sagte Jürgen Blomenkamp, Chef der Media-Agentur Mediacom Europe.

Seit die beiden Viva-Sender Mitte Mai mit neuen Unterhaltungsprogrammen wie "Ali G." vom reinen Musikfernsehen abgerückt sind, haben die Einschaltquoten nach Senderangaben bereits zugelegt. In Juli erreiche Viva bei den 14- bis 29jährigen Zuschauern bereits einen durchschnittlichen Marktanteil von 2,1 %. MTV erreicht bei den Jugendlichen demnach einen Marktanteil von 2,2 %.

Neben dem schwierigen Werbemarkt ist die Viva-Gruppe derzeit mit Standortpolitik beschäftigt. Der für 2004 angekündigte Umzug der von Viva und der Kölner Stadtsparkasse ausgerichteten Musikmesse Popkomm von Köln nach Berlin sorgt für Wirbel.

Gorny hatte erst Mitte Juli seine Anteile an dem Popkomm-Ausrichter Viva Media Enterprises für knapp 26 000 Euro an die Viva Media Holding verkauft. Wenige Tage später gab die Holding eine strategische Partnerschaft mit der Messe Berlin bekannt. Dazu gehören auch die Markenrechte an der Popkomm-Messe. Wie mit den Verhandlungen vertraute Kreise berichten, soll Viva Media dafür einen sechsstelligen Euro-Betrag erhalten. Gorny bestätigte jedoch keine Summe.

Im vergangenen Jahr war die Popkomm für die Betreiber ein Verlustgeschäft. "Wir profitieren davon, dass wir auch am Musikstandort Berlin präsent sind", sagte Gorny. Die Sendergruppe habe sich im Gegenzug die Übertragungsrechte für die Berliner Love-Parade gesichert. Wie der Fernseh-Marktführer RTL ist Viva Media in Köln angesiedelt. Vor wenigen Monaten hat die Gruppe mit 800 Mitarbeitern ein neues Studio-Zentrum im Kölner Stadtteil Mühlheim bezogen. Der Viva-Aktienkurs kletterte in den vergangenen zehn Tagen von 5 Euro auf mehr als 6 Euro.

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