Popkomm
Online-Musik teilt Künstler und Anbieter

Um das Thema Musikpiraterie im Internet wird es auf der Popkomm in Köln ab Donnerstag vermutlich den heißesten Tanz geben. Die Meinungen zu Themen wie Herunterladen, Kopieren oder Urheberrecht gehen weit auseinander.

dpa HAMBURG. Für den Rapper Chuck D. von Public Enemy werden die großen Plattenfirmen von Anwälten und Buchhaltern betrieben, die sich "eine Dreck um den kreativen Prozess scheren". Deshalb vertreibt er seine Songs über das Internet. Smudo, Kopf der deutschen Hiphop-Formation Fantastische Vier, kommt dagegen "die Galle hoch", wenn er an die illegalen Musikanbieter im Internet denkt, die - unterstützt durch solche Aktionen - Songs einfach "klauen". Er schimpft, es gebe genug "Sozialromantiker", die Chuck D. und "seiner pseudo- anarchistischen Meinung" zujubeln.



MP3 revolutionierte die Übertragung im Internet

Ende der 90er Jahre revolutionierte das Komprimierungsformat MP3 die Übertragung von Musik im Internet. Songs können damit beinahe in CD-Qualität, bei geringem Speicherbedarf und akzeptabler Download- Zeit online verschickt werden. Der Anbieter Napster ermöglicht mit diesem Format Fans Musik untereinander per Internet zu tauschen. Viele Künstler ärgern sich über den illegalen Vertrieb ihrer Songs. Der Phonowirtschaft entsteht durch die Piraterie Milliarden-Verluste. Erst jetzt kommen sich die Musikbranche und die Internetindustrie langsam näher, um Sicherungen gegen die Musikpiraterie zu schaffen.

Wunderbar findet Smudo da den Kampf von Metallica gegen die Internet-Tauschbörse Napster. Die Heavy-Metall-Band ließ auf gerichtlichem Wege über 300 000 Namen von Napster-Benutzern schließen, die zu Unrecht Metallica-Songs getauscht hatten. "Dass Metallica das nicht wegen des Geldes macht, sondern dass man sich künstlerisch betrogen fühlt, weil man nicht als blödes Sammelbildchen hin- und hergetauscht werden will, das will keiner transportieren. "Nicht das Internet ist die Bedrohung, sondern das Dilemma, dass sich Musik momentan nicht wirksam schützen lässt."



Kooperation bei der Abwehr der Piraterie

Inzwischen üben die Internetbranche und die Musikbranche kurz vor der Popkomm (17. bis 19.) in Köln den gemeinsamen Schulterschluss. "AOL wird alles tun, um Musikpiraterie zu verfolgen", verspricht Klaus Täubrich, Vizepräsident von AOL Deutschland . "Wir verstehen das als Aufgabe einer erfolgreichen Partnerschaft." Die Kooperation bei der Abwehr der Piraterie sei das wichtigste, unterstreicht auch Martin Schaefer, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft. "Alles andere entsteht zwangsläufig." Und er ist sicher: Die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind in greifbarer Nähe. "Im Moment bahnt sich die große Wende an."

Mit den Internetprofis will die Musikindustrie ein attraktives legales Angebot bieten. "Wenn wir dem Konsumenten Atmosphäre verkaufen, sind wir die ersten Ansprechpartner, nicht die Illegalen", glaubt Gerd Gebhard, Präsident von Warner Music . Smudo ist da eher vorsichtig: "Ob das klappt, weiß keiner. Es ist schwer, darzustellen, dass legal cool ist." Das kostenlose Herunterladen des Lieblingssongs sei ein anarchistischer Schülerspaß und habe weniger mit krimineller Energie zu tun. Doch wenn der legale Markt gut gemacht sei, zahle auch der Fan gerne für den Service. "Es gibt dann wenig Anlass, sich auf einem schlecht gepflegten illegalen Markt aufzuhalten."



Hat die Branche die Entwicklung verschlafen ?

Den derzeit laut werdenden Vorwurf, dass die Branche die Entwicklung eventuell verschlafen habe, will Gebhard so nicht stehen lassen. "Wir spielen mit den Möglichkeiten und testen viele Sachen. Wenn es ernst wird, können wir loslegen." Aber er räumt auch ein: "Natürlich waren wir alle überrascht und haben vor allem die kriminelle Energie unterschätzt." Aber noch seien die kreative Leistung des Künstlern und der Ertrag nicht geschützt, meint Gebhard. "Weil die Dinge wie etwa das Kopieren möglich sind, glauben einige Leute, es sei legal."



Viele Künstler scheuen sich, gegen Raubkopien vorzugehen

> Doch auch viele Künstler scheuen sich, gegen das illegale Kopieren vorzugehen. Sie fürchten, ihre Fans zu verprellen. "Es ist ein Imageproblem, wenn Du inmitten von Leuten stehst, die alle auf die 'Scheiß-Industrie' schimpfen", sagt Smudo. "Sie haben Angst, Fans zu verlieren." Entsetzt ist er aber über Künstler wie die US-Band Limp Bizkit, die sich ihre Tour von Napster sponsern lässt. "Die sind wirklich dumm. Sie machen etwas populär, was das entwertet, was ihnen letztendlich gehört."

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