Populist Toledo gilt als aussichtsreichster Kandidat
Peruaner entscheiden in vorgezogenen Wahlen über Fujimori-Nachfolge

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres sind die 14,5 Mill. Wahlberechtigten in Peru am Sonntag zu Parlaments- und Präsidentschaftswahlen aufgerufen. Bei dem vorgezogenen Urnengang geht es um die Nachfolge von Präsident Alberto Fujimori, der das südamerikanische Land zehn Jahre lang autoritär regierte und im November über eine Bestechungsaffäre seines Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos stürzte.

afp LIMA. Seitdem ist eine provisorische Regierung unter dem Übergangspräsidenten Valentín Paniagua im Amt, der erst sechs Tage zuvor zum Vorsitzenden des Ein-Kammernparlaments mit 120 Abgeordneten gewählt worden war.

Die aus gemäßigten Fujimori-Gegnern und "Technokraten" bestehende Übergangsregierung mit dem früheren UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuellar als Ministerpräsidenten beschränkt sich im wesentlichen darauf, bis zum Amtsantritt des neuen Staatsoberhaupts am 28. Juli die "staatliche Kontinuität" zu gewährleisten. Bewusst fasst die Regierung keine "heißen Eisen" an, von denen es vor dem Hintergrund einer kränkelnden Wirtschaft genügend gibt - von der Korruption über die Massenarmut und die Arbeitslosigkeit bis hin zur geplanten Privatisierung von Häfen, Flughäfen und Straßen.

Hatte der Sturz Fujimoris wegen "moralischer Unfähigkeit" bei der Bevölkerung eine Art Aufbruchstimmung und Hoffnungen auf einen umfassenden demokratischen Wechsel geweckt, machte sich allmählich eine gewisse Politikmüdigkeit breit. Das Gefühl verstärkte sich mit dem Wahlkampf eher noch, denn dieser wurde kaum über Sachfragen geführt, sondern vielfach als Schlagabtausch unterhalb der Gürtellinie zwischen den acht Kandidaten. Jüngsten Umfragen zufolge wusste ein Viertel der Wählerschaft wenige Tage vor der Wahl nicht, wem sie ihre Stimme geben sollte.

Alejandro Toledo von der populistischen Mitte-Links-Partei Perú Posible galt lange Zeit als der mit Abstand aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat. Der an der US-Universität Stanford ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler wäre in dem Andenland das erste Staatsoberhaupt aus der indianischen Urbevölkerung, der fast die Hälfte der Einwohner angehören. Toledo appellierte an die Wähler, ihm schon im ersten Wahlgang zum Durchbruch zu verhelfen. Doch inzwischen spricht vieles dafür, dass es eine zweite Runde geben wird. Für Toledo wollten zuletzt 37 % der Wahlberechtigten stimmen. Für Toledos ärgste Konkurrentin, Lourdes Flores vom Mitte-Rechts-Bündnis Nationale Einheit, wurden zuletzt 28 % vorher gesagt.

Garcia legt in Umfragen zu

Flores wird ihrerseits von dem früheren Präsidenten Alan García bedrängt, der in den Umfragen zuletzt mächtig aufholte (20 %). Dem Kandidaten der sozialdemokratischen Revolutionären Amerikanischen Volksallianz (APRA), der Peru von 1985 bis 1990 regierte, wird mittlerweile sogar zugetraut, mit einem Sieg über Flores für die Überraschung der ersten Runde zu sorgen. Garcías Wahl zum Staatschef im Jahr 1985 war der erste demokratische Machtwechsel in Peru seit 40 Jahren gewesen. 1990 war Fujimori vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise zum Nachfolger von García gewählt worden, der wegen der gegen ihn gerichteten Korruptionsvorwürfe außer Landes floh.

Im zweiten Durchgang hätte García freilich kaum eine Chance gegen Toledo - zumal viele Wähler Toledos Ansicht teilen, hinter einer "Schmutzkampagne" gegen ihn stecke der "lange Arm" von Ex-Geheimdienstchef Montesinos. Der frühere enge Fujimori-Berater hat sich zwar schon im Oktober endgültig aus Peru abgesetzt. Doch viele Wähler halten den wegen Menschenrechtsverletzungen, Waffenschmuggel, Geldwäsche, Drogenhandel und Bestechung beschuldigten "Rasputin der Anden" und seine Seilschaften aller möglichen dunklen Machenschaften für fähig.

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