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Porno-Skandal: Sechs Monate für Priester-Studenten

Der Kinderporno-Skandal am Priesterseminar von St. Pölten hat jetzt zur ersten Verurteilung eines beteiligten Studenten geführt. Ein Gericht verurteilte den 27-jährigen Polen Piotr Z. am Freitag wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.

dpa ST. PÖLTEN. Der Kinderporno-Skandal am Priesterseminar von St. Pölten hat jetzt zur ersten Verurteilung eines beteiligten Studenten geführt. Ein Gericht verurteilte den 27-jährigen Polen Piotr Z. am Freitag wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.

Zuvor war es zu tumultartigen Szenen im Gerichtssaal in der niederösterreichischen Landeshauptstadt gekommen, wo Dutzende Journalisten, Pressefotografen und Fernsehteams das Verfahren verfolgen wollten.

Der Verurteilte hatte zu Beginn der nur einstündigen Verhandlung gestanden, Kinderpornografie aus dem Internet auf sein persönliches Laptop heruntergeladen zu haben. "Ich bereue es sehr, dass es eine Zeit gegeben hat, in der ich diese Fotos aus dem Internet heruntergeladen und abgespeichert habe", sagte er vor der Richterin. Allerdings behauptete er, die Festplatte gelöscht zu haben, bevor er im September 2003 dem Priesterseminar beitrat.

Der vom Vatikan mit der Untersuchung des Skandals beauftragte Bischof Klaus Küng hatte bereits am Donnerstag die vorläufige Schließung des Seminars bekannt gegeben. An dem Seminar sollen nach seinen Aussagen einige der 36 Studenten in den vergangenen Monaten "suchtartig" Pornografie aus dem Internet geladen haben. Nur dem 27-Jährigen konnte jedoch der allein strafbare Besitz solcher Bilder nachgewiesen werden.

Einzige Zeugen des Verfahrens waren zwei Polizeiexperten, die mit Hilfe spezieller Software die von dem Seminaristen gelöschten Dateien wieder herstellen konnten. Sie fanden insgesamt 1700 Dateien mit Pornografie. Ein Großteil davon habe "pornografische Darstellungen mit unmündigen Personen, die zur sexuellen Betrachtung dienten" gezeigt. Im Gegensatz zu der Aussage des Angeklagten konnte ihm nachgewiesen werden, dass er kinderpornografisches Material auch noch während seines Aufenthaltes in Österreich besessen habe. Die Richterin meinte zu seinem Interesse an einschlägigen Fotos: "Wenn man bei Google "Loverboy13" oder "Gayteens" eingibt, sucht man schon etwas bestimmtes." Es seien auch auch Fragmente von Mails entdeckt worden, in denen der 27-Jährige "very young Boys" suchte.

Der Seminarist sagte aus, ihm sei bewusst gewesen, dass man die von ihm gelöschten Dateien wieder herstellen könne. Nach der Übergabe der Festplatte an die Polizei hätten ihn "Schuldgefühle, Scham, Hilflosigkeit" geplagt. Er unternahm sogar einen Selbstmordversuch. "Ich habe mein Leben kaputt gemacht und möchte alles wieder in Ordnung bringen" sagte er vor Gericht.

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